Der Yorkshire Kanarienvogel

Einleitung
Von allen großen Positurkanarienrassen ist der Yorkshire derjenige, der den Betrachter am meisten beeindruckt. Seine Zugehörigkeit zu den Positurkanarien ist unangezweifelt, denn seine Größe und seine stattliche Haltung weichen deutlich vom Farbenkanarientyp ab.
Es gibt mehrere Merkmale, die einen Yorkshire zum Yorkshire machen. Dazu gibt es einige, die besonders stark die Qualität eines Vogels bestimmen. Auf eine kurze Aussage gebracht heißt dies: Die Haltung, die Länge, die Form, die Federqualität und die Voluminosität des Körpers machen einen Kanarienvogel zum Yorkshire. Wie diese einzelnen Positionen aussehen, werde ich in mehreren Folgen genauer beschreiben und dabei auf den Original-Standard des Mutterlandes Bezug nehmen. Dieser ist unter anderem in den Handbüchern der beiden großen Yorkshireclubs Englands veröffentlicht. Im Gesamten gibt es eigentlich keine Abweichungen, keines der Merkmale ist gegensätzlich gefordert, nur in der Zuteilung der Merkmale zu den verschiedenen Bewertungskategorien sind leichte Unterschiede auszumachen. Diese werde ich natürlich auch herausheben.
Seit einigen Jahren ist wieder Bewegung in die Standard-Diskussion um den Yorkshire Kanarienvogel gekommen, spätestens seit Paul Pütz bei seinem Bericht über die italienische Spezialschau den Namen "Roberts" zu uns trug.
Schon seit einigen Jahren werden in den verschiedenen Ländern kontrovers die Meinungen über dieses Modell, das noch immer gültige oder gar weitere Modelle ausgetauscht. Bei allen Forderungen müssen wir uns klar sein, daß nach unseren selbst bestimmten Reglements nur das Mutterland, demnach England, das Recht hat, Standardänderungen vorzunehmen. Genauer gesagt ist dies der "Yorkshire Canary Club" mit Sitz in Bradford, der dies Recht für sich beansprucht. Aus den entsprechenden Gremien dieses Clubs ist zu erfahren, daß mindestens in den nächsten Jahren (man redet von fünf) keine Änderung vorgenommen werden wird, weder zeichnerisch noch textlich. Somit haben die Autoritäten allen Spekulationen den Nährboden entzogen.
Aber dennoch: Es hat bereits einen Wandel gegeben, wie man anhand der Siegervögel auf den Clubshows drüben feststellen kann. Nur denke ich, daß es eine der möglichen Interpretationen ist, die man aus der vorhandenen Beschreibung entnimmt. Kurz zusammengefaßt sieht es danach aus, daß einige der Merkmale stärker betont und damit wuchtiger ausgeprägt sind. Einzig im Bereich des Nackens ist es eine klare Neuorientierung: Bislang wurde der Nacken immer ganz leicht eingefallen gezeichnet, die heutigen Topvögel jedoch haben klar einen vorgewölbten Nacken.

 

Fragen zum Standard

Natürlich ist der genaue Wortlaut des gültigen Standards bereits mehrfach veröffentlicht worden. Deshalb werde ich hier dies nicht wiederholen, sondern die wichtigen Aussagen versuchen, in eigene Worte zu kleiden und gegebenenfalls aus der Sicht eines Züchters (und Preisrichters) zu kommentieren.
Auch wenn jede Rasse in einzelne Positionen gegliedert ist und somit ein Vogel "in Einzelmerkmale zerlegt" wurde, gehört immer der Blick des Ganzen dazu. Ganzheitlich ist ein Vogel bezüglich seines Rassewertes auch am schnellsten zu erfassen. Der Blick auf die einzelnen Merkmale gibt dann Hinweise z. B. auf Punkte, die wir bei der Verpaarung zweier Yorkshire benötigen.

 

Die typische Körperform
Der Typ (die Körperform) ist wohl das augenscheinlichste Merkmal. Er setzt sich aus dem Körper und dem oberen Bereich, von der Schulter bis zum Kopf, und dem Schwanz zusammen. Für die Bewertung ist diese Position eigentlich die schwierigste, da mit nur 10 Maximal-Punkten logischerweise nur grobe Typ-Abweichungen mit klaren Punktedifferenzen beurteilt werden können. Dagegen fällt dem ‚Kopf' eine Maximalpunktzahl von 20 Punkten zu.
Die Körperstelle mit der höchsten Ausdehnung ist der Bereich Schulter-Brust. Von hier aus geht die Umrißlinie über den Nacken in den gleichmäßig gerundeten Kopf. Dieser ist vor allem von der Seite und von vorne betrachtet rund und ‚kuppelförmig'. Dies wird unter anderem erreicht durch ‚volle' Wangen und damit zusammenhängend eine breite und hoch aufgewölbte Stirn.
Auf keinen Fall darf der Yorkshire einen abgeflachten Kopf zeigen. Dieser Fehler ist sehr häufig mit stark entwickelten Augenbrauen gekoppelt. Solche Vögel haben zwar von oben betrachtet einen meist weit ausladenden runden Kopf, aber das ist mit Sicherheit nicht gemeint, wenn im Standard vom ‚runden Kopf' gesprochen wird. Dies widerspricht auch der Forderung nach einem freien Auge.
Durch diese Einschränkung ist dem Kopfvolumen eine natürliche Grenze gesetzt. So darf er auch niemals den Umfang wie der Schulter-Brust-Bereich annehmen, sonst wäre der obere Part des Körpers mehr wie ein Zylinder - was aber nicht gewünscht wird.

Unterhalb des Schnabels geht eine geschwungene Linie zur sehr hoch angesetzten Brust (= siehe Brust-Schulter-Bereich).
Im Original-Standard des Mutterlandes wird dies alles auch unter der Rubrik ‚Kopf' aufgeführt, den eigentlichen Kopf einschließlich des Nackens und der Schulter. Damit ist der ‚Brust-Schulter-Umfang noch ein Kriterium für diese Bewertungs-Position.
Erst ab hier beginnt der Körperabschnitt, der unter ‚Form' betrachtet wird. Dort heißt es, der Körper verjüngt sich zum Schwanz hin. Der Originaltext spricht von "tapering to the tail", was übersetzt etwa soviel heißen soll wie ‚läuft karottenartig (oder konisch) zum Schwanz aus' (zum Vergleich: tapered trousers englisch, heißt übersetzt ‚Karottenhose').
Auch wenn Kopf und Rumpf in zwei getrennten Rubriken beurteilt werden, müssen sie harmonisch zueinander passen. Vielfach sieht man Tiere, die - für sich und auf den ersten Blick betrachtet - beide Regionen eigentlich recht gut ausgeprägt haben, nur ist entweder der Kopf zu massig oder zu klein in Verbindung mit dem Körper, beide sind nicht harmonisch aufeinander abgestimmt. Meistens sind solche Tiere aber in ihrer Gesamterscheinung nicht dem Standard entsprechend, ihr größter Körperumfang ist auch nicht im Schulter-Brust-Bereich zu finden.
Ein weiterer sehr häufiger Fehler in die entgegengesetzte Richtung ist das, was ein Kollege immer als ‚Spitzkopf' bezeichnet. Diese Kopfform hat keine breite Stirn, sondern die Stirn ist fast so schmal wie die Basis des Schnabels. Der Kopf läuft also nach vorne hin spitz zu.
Zum anderen gibt es noch einige Tiere, deren Brust ‚zu tief gerutscht' ist. bei ihnen ist diese größte Ausdehnung eher in Höhe der Flügelmitte zu finden. Solche Vögel lassen auch die geforderte Haltung vermissen, die sie aufgrund ihres Körperbaues gar nicht einnehmen können.
Beides sind m. E. Fehler, die züchterisch unbedingt ausgemerzt werden müssen. Yorkshire mit solchen Merkmalen würde ich unter keinen Umständen zur Zucht ansetzen.

Haltung
In Zusammenhang mit der typischen Körperform ist die Haltung eines der rassebestimmenden Merkmale, das zudem auch noch mit 25 Punkten genau ein Viertel der Wertigkeit erhält. Auch hier gibt es kleinere Unterschiede zwischen dem Original-Text und unserer COM- bzw. deutschen Version. In unserer noch gültigen Form des Standards wird die Schwanzhaltung nämlich nicht hier, sondern in der Position "Form" behandelt. Es erscheint aber logischer, die Schwanzhaltung auch dort zu beurteilen, wo schon ‚Haltung' definiert ist.
Die Körper-Haltung ist aufrecht und wirkt ‚stolz'. Dies hat ihm dann auch schon früh den Beinamen "Guardsman" eingebracht. Unser Standard fordert 70°, der englische sogar 75° zur Sitzstangenebene. Zu berücksichtigen ist aber, daß als ‚Körperachse' die Linie vom Auge zu den Schenkeln gedacht ist. Wenn die Achse wie sonst üblich vom Auge (als Mittelpunkt des Kopfes) zur Schwanzspitze gelegt würde, käme ein wesentlich flacherer Winkel heraus. Durch die vorgegebene Achsenwahl wird aber auch sehr deutlich, daß die Beinstellung und deren Winkelung wesentlich die geforderte Haltung beeinflußt.
Unterstützt wird die aufrechte Haltung nämlich durch die langen Beine - oder besser die langen Läufe. Zusätzlich werden die Beine stark durchdrückt, so daß Schenkel und Lauf nur leicht gewinkelt sind. Die Schenkel sind hierdurch auch zum Teil sichtbar, sie ragen weit und hoch aus dem Bauchgefieder heraus. Somit ist wesentlich mehr Körpermasse ‚hinter den Beinen' als davor.
Der Schwanz wird leicht ‚getragen', so daß es eine gerade Linie unterhalb vom unteren Bauch zum Schwanzgefieder ergibt.
Noch vor wenigen Jahren wurden Yorkshire gezeigt, deren Schwanzhaltung zu steil war. Dies erinnerte an den Zaunkönig. Zur Verbesserung unserer Zuchten war dies sogar zuträglich, doch heute, wo viele Vögel dieses Merkmal gut zeigen, kann und soll man auf diese ‚Zaunkönige' verzichten.

 

Gefieder
Dieser Bewertungspunkt kann wiederum 25 Punkte maximal erhalten. Ihm ist auch züchterisch sehr große Aufmerksamkeit zu schenken. Die ‚Sünden' der vergangenen Jahre sind zum Glück schon längst wieder ausgeglichen. In den Jahren des großen Booms der Positurkanarien wurden leider viel zu häufig Verpaarungen von sehr langfedrigen Vögeln miteinander vorgenommen, um die Größe ‚verbessern' zu können. Heraus kamen zwar lange, aber auch sehr ‚fleischlose' Tiere. Diesen Ausdruck versteht man am besten, wenn man einen Yorkshire in die Hand nimmt. Bei guten Tieren aus den führenden Zuchten spürt man sehr schnell das Fleisch des Körpers, bei den anderen hat man das Gefühl in einen Wattebausch zu greifen. Leider sind vereinzelt solche Tiere auch auf unseren Schauen noch anzutreffen.
Der Yorkshire hat zwar ein etwas stärker ausladendes Federwerk als der Farbenkanarienvogel, doch fordern wir eigentlich ein (relativ) kurzes Gefieder. Hier soll einmal die Originaltextpassage gebracht werden. Sie fordert: "Feather; close, short and tight". Wenn wir nun einmal die Ausführungen über Federtextur vom Kollegen Bernd Lieb mit einbeziehen, bekommen wir vielleicht eine ganz neue Übersetzung! Das Original spricht nämlich von der Feder und nicht vom Gefieder! Und wenn die Feder kurz, dicht und geschlossen sein soll, ist das sicher eine ganz andere Formulierung als unser alter Standard. Damit ist auch das Schwanzgefieder kürzer gefordert als mancherorts zu sehen.

Größe
Die Größe ist im Standard mit ‚mindestens 17 cm' angegeben. Der Originaltext sagt auch hier wieder etwas anderes, wenn von ‚appoximately 6 ¾ inches' geschrieben steht. Dies entspricht umgerechnet zwar den 17 cm, aber ‚appoximately' bedeutet eigentlich ‚annäherungsweise' und nicht ‚mindestens'.
Dies ist aber wieder einer derjenigen Punkte, die vom geschriebenen Standard zum gedachten Ideal abweichen. Auch im Mutterland findet man keinen Yorkshire (oder nur in den unteren Rängen), der nur 17 cm Länge mißt. Der Unterschied ist auch eher in der Praxis der unterschiedlichen Bewertungssysteme zu sehen. Hat ein englischer Preisrichter nämlich zwei ansonsten gleichwertige Tiere vor sich, ist die Größe entscheidend, aber auch erst dann.
Das läßt sich natürlich mit unserem relativ starren Punktesystem gar nicht nachvollziehen und bewertungstechnisch umsetzen. Deshalb kann es auch hier nur zu diesen leichten Unterschieden kommen.
Davon einmal abgesehen, wirkt ein Yorkshire auch erst, wenn er eine gewisse Größe hat. Nach meinen bisherigen Erfahrungen ist auf den Schauen auch nur selten einmal ein Vogel zu sehen, der weniger als 18 cm Länge hat.
Umgekehrt sollte man aber die Sucht nach allzu großen Yorkshire Kanarien überwunden haben. Bei zu großen Yorkshire geht zum einen die Eleganz verloren und zum anderen kann die geforderte Haltung meist nicht mehr gezeigt werden.

Gesamteindruck und Farbe
Der Blick zur Original-Punkteskala zeigt erneut eine geringfügige Abweichung, denn ‚condition' wäre hier die originale Überschrift gewesen. Vorgesehen sind maximal 10 Punkte. In unserem Standard wird in dieser Position die Sauberkeit des Vogels und auch des Käfigs gesehen. Auch wie sich der Vogel im Schaukäfig zeigt - Eingewöhnung - ist hier zu beurteilen. Dies ist übrigens in England nicht nötig, obwohl dort recht variantenreich die Kuppelkäfige, überwiegend Marke "Eigenbau", gezeigt werden. Dafür aber gibt es drüben keinen ernsthaften Züchter, der seine Vögel in einem schmutzigen Käfig zur Schau bringen würde. Und nicht-trainierte Vögel wird kein ernsthafter Yorkshirezüchter bewerten lassen.
Dafür findet man im Original nur die allgemeine Sauberkeit, dafür aber auch den ‚Gesundheitszustand' oder besser gesagt die Fitneß des Vogels erwähnt.
Als Rasse, die überwiegend farbgefüttert wird, gehört auch die Einheitlichkeit der Ausfärbung hierher. Nun ist aber deutlich, daß wir bei weitem nicht dieselben hohen Anforderungen wie beim Farbenkanarienvogel haben. Yorkshire werden z. B. nie das tiefe Rot wie unsere aufgehellten Rotvögel erhalten. Auch können Groß- und Kleingefieder unterschiedlich durchgefärbt sein - oder besser eine unterschiedliche Farbtiefe vorweisen - ohne daß es zu geringerer Bewertung führt. Dies hat einen tieferen Sinn. Auch im Mutterland gibt es Varianten, die nicht farbgefüttert werden, es gibt sogar eine Spezialklasse für die Nichtgefärbten (non fed green). Da man aber erst spät erkennt, ob man einen Schecken oder einen grünen Yorkshire großzieht, wird überwiegend erst nach dem Selbständigwerden mit der Farbfütterung begonnen, meist sogar erst im Alter von 45 Tagen. Weißgrundige Yorkshire übrigens sollten auf keinen Fall Farbfutter erhalten.
Leider sieht man hierzulande ab und zu Yorkshire, die zuviel an Farbfutter erhalten haben. In diesem Falle sprechen die Züchter davon, daß das Gefieder "verbrannt" ist. Tatsächlich sind die Federn rauh und wirken wie zerschlissen und struppig. Das wirkt sich natürlich klar auf die Gefiederqualität aus und ist dort auch zu vermerken.
Wer sich also für die Farbfütterung entscheidet, muß dies mit Sorgfalt und Maß tun. Inzwischen gibt es auch Carotinmischungen, die ein ‚Verbrennen' des Gefieders verhindern. Nur ist die Zusammensetzung bei jedem Anbieter verschieden, obwohl fast alle den ursprünglichen Handelsnamen des Herstellers benutzen. Die wohl reinste und gleichmäßigste Mischung erhält man leider nur im Ausland.

Ausblick auf die Bewertungsskala
Hier möchte ich zwei verschiedene Problemkreise ansprechen. Der erste ist ein rein technisches Problem bezüglich der Zuordnung.

Bereits bei den einzelnen Positionen habe ich angedeutet, daß es zwischen dem Original-Standard des Mutterlandes und unserem gültigen Standard Verschiebungen der Merkmale gibt. Einzelne Merkmale werden in unterschiedlichen Bewertungspositionen untergebracht.
Betrachten wir nun einmal den gesamten Standard, so ist eine ‚Entschlackung' der Position Form sinnvoll. Momentan beschreiben wir hierunter noch den Bereich mit dem größtmöglichen Umfang im Schulter-Brust-Bereich und auch noch die ‚getragene Schwanzhaltung'. Bei der letzteren ist es schnell einsichtig, daß alles, was Haltung beschreibt, eigentlich auch in dieser Position untergebracht sein sollte. Und damit hat dies auch keinen sinnvollen Platz innerhalb der Beschreibung der Form.
Bei der Ausdehnung des Schulter-Brust-Bereichs ist dies schon etwas schwieriger zu vermitteln. Aber es bringt tatsächlich einen tieferen Sinn, wenn man die Punktzahl der beiden Positionen Kopf und Form mit 20 und mit 10 Punkten gegenüberstellt. Genau in diesem Punkt unterscheiden sich die weniger typechten von den geforderten Typen am deutlichsten. Haben wir jedoch hier nur maximal 10 Punkte zu vergeben, ist der Spielraum für eine klare Differenzierung viel zu gering. Damit steigt die Gefahr, daß schlechtere Typvögel in anderen Positionen stark aufholen und sogar gute Typvögel überholen können. Nun steht aber der Typ (Kopf und Körper) als allererstes für die Rasse Yorkshire und damit für die Zuerkennung der Rassezugehörigkeit.
Auch die Übersetzung von "Body" in "Form" ist meiner Meinung nach wenig gelungen. Wenn wir uns hier ebenfalls näher an den Originalvorgaben halten wollen, würde die Benennung dieser Position mit "Körper" (im Sinne von ‚Rumpf') wesentlich eher treffen. Damit wäre auch die Untergliederung des Typs (=Form) in Kopf und Rumpf besser zu verstehen. Und somit sind wir der Originalbeschreibung wieder ein Stück näher.

Für die Position Haltung ergibt sich damit konsequenterweise, daß die Haltung des Schwanzgefieders hierher ‚versetzt' wird. Neben der Entschlackung der Position Form ist es deutlich eine Frage der Sitz- und Präsentationsposition und keine Frage des Typs, ob und wie hoch sie Schwanzfedern getragen werden.

Die Position Gefieder zeigt für mich die größte Abweichung vom Original. Sicher müssen wir hier unsere nationale Entwicklung einbeziehen, um die bestehende Deutung nachzuvollziehen. Aus langen Gesprächen mit verschiedenen Fachleuten auf der Insel scheint es aber eindeutig nicht auf die Unversehrtheit und auf die Lückenlosigkeit des Gefieders anzukommen. Vielmehr drückt diese Position aus, welcher Federtyp (wie oben schon erwähnt, auch in Anlehnung an die Gedanken zur Federtextur von Bernd Lieb) zur Rasse Yorkshire gehört.
Ich könnte mir gut vorstellen, daß auch wir zu einer ähnlichen Auffassung gelangen und die Beurteilung des Federwerks in zwei unterschiedliche Bereiche gliedern:
1. Wie schon gesagt die Federtextur des Yorkshire, die mit geschlossen, kurz und fest/dicht umschrieben wird. Dies sollte unter der Rubrik Federn (ehemals Gefieder) geschehen und
2. die Vollständigkeit und Unversehrtheit des Gesamtgefieders, deren Bewertung auch Mauserstellen oder -lücken einschließt; Dies wäre dann ein Merkmal für die Position ‚Kondition'.
Damit wäre auch eine Beurteilung differenziert nach Rasse- und nach Schauwert gegeben, was meiner Meinung nach schon länger sinnvoll wäre. Doch zu diesem Punkt möchte ich später noch einmal einen eigenen Beitrag bringen.

Kommen wir nun zum zweiten Problemkreis. Dies ist die Abwandlung des Idealbildes, das immer noch unter der Bezeichnung ‚Golding' beschrieben ist. Es soll auch weiterhin als der ‚Golding-Typ' bezeichnet werden.
Trotz aller gegenteiliger Beteuerungen der Offiziellen des Yorkshire Canary Club (Bradford) nehmen wir Veränderungen des Typs beim Yorkshire schon seit einigen Jahren wahr. Schaut man sich Bewertungen auf der Insel an, erkennt man sehr schnell, daß der pure ‚Golding'-Vogel eigentlich keine Chance hat zu gewinnen. Meist sind dies die ersten Vögel, die das Richterregal wieder verlassen und keine Plazierung erhalten. Schaut man sich dann die Gewinner an, sieht man die Unterschiede, wie ich sie bereits oben beschrieben habe. Besonders auffällig ist der weit ausladende Nacken, der mit der hochsitzenden Brust und den ausgeprägten Schultern zu den gewünschten Ausdehnungen im Schulter-Nacken-Bereich führt. Auch ist offensichtlich, daß das Schwanzgefieder heute kürzer gewünscht wird als die Beschreibung vermuten läßt.
Die ersten Anzeichen dieser Wandlung sind bereits vor gut 10 Jahren drüben zu erkennen gewesen. In vielen Zuchten sind diese Veränderungen auch schon mehr oder weniger fest verankert. Sicher aber dauert es noch weitere 5 bis 10 Jahre, bis die Veränderungen auch schriftlich fixiert und damit in den Standard aufgenommen werden. Natürlich gibt es drüben auch noch diejenigen, die von einer Veränderung absolut nichts wissen wollen, doch sie sind deutlich in der Minderzahl.
Eigentlich ist dies dieselbe Situation, die wir schon in den Sechzigern hatten, als das Standardbild zum ‚Goldingtyp' hin verändert wurde. Schon lange vorher gab es Yorkshire mit den heutigen Merkmalen. Schon lange vor der Standardänderung wurden solche Tiere als Sieger gekürt und damit der Züchterwille dokumentiert. Aber die Verantwortlichen haben länger gezögert, die Veränderungen offiziell zu machen. Da drüben der ‚common sense' eine der stärksten bildenden Kräfte ist und die ‚neue' Form dem common sense entspricht, stehen die Chancen für die offizielle Neuorientierung aber sehr gut. Wir brauchen nur abzuwarten, dürfen die Änderungen aber nicht verschlafen.

Schluß
Inzwischen hat sich sicherlich herumgesprochen, dass es für die Rasse Yorkshire einen Spezialclub gibt, der zu den ältesten Deutschlands zählt. Zu unserer wichtigsten Aufgabe zählen wir, dass Veränderungen des Rassebildes früh genug bekannt werden. Eine unserer Kontaktstellen hierfür ist die Clubmeisterschaft. Jeweils am Dritten Adventssonntag ist diese in Heusenstamm bei Frankfurt am Main. Die Teilnahme an der Bewertung bleibt allerdings den Clubmitgliedern vorbehalten. Dafür gehören zum Club international bekannte und erfolgreiche Züchter aus Belgien, der Schweiz, Dänemark und Frankreich, die größtenteils auch regelmäßig ihre Vögel zur Bewertung stellen.
Unter anderem auch durch diese Züchter sind hervorragende Kontakte zu den beiden großen Spezialclubs in England (YCC und Southern YCC) vorhanden. Seit 2001 laden wir regelmäßig Preisrichter von dort ein.
Als Spezialclub wünschen wir uns natürlich, möglichst alle interessierten Züchter zusammenfassen zu können. Auch wenn Sie ‚nur nebenbei' Yorkshire züchten, sind Sie auf jeden Fall in unserem Club willkommen, denn Sie haben durch unsere weit gefächerte Schauklasseneinteilung der Einzelvögel reelle Chancen auf Siegertitel.

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