Optimierte Versorgung unserer Vögel 

 

Einleitung

Auch nach mehr als 100 Jahren der Vogelliebhaberei ist die Ernährung immer noch das zentrale Thema der Vogelzucht, schließlich lassen sich Probleme in der Vogel-Zucht und -haltung in vielen Fällen auf eine nicht ausgewogene Ernährung zurückführen.

In den folgenden Zeilen möchte ich näher nur auf die körnerfressenden Arten eingehen.

Eine optimierte Ernährung, speziell nicht nur an die Vogelart, sondern auch an die jeweilige Jahreszeit angepaßt, ist für die erfolgreiche Vogelliebhaberei der eine Kreis.

Alle Vogelarten kennen in ihrer Heimat so etwas wie einen Jahreszyklus, der natürlich nur in unseren Breiten so extrem ausgeprägt ist, aber immerhin doch so konzipiert, daß aktive Phasen und passive Phasen einander abwechseln. Das Vogeljahr kann man ganz grob nach Ruhephase und Aktivphase unterteilen. Die Aktivphase wiederum gliedert sich in Brutvorbereitung, Legeperiode, Aufzucht, Wachstum, Mauser und Ausstellung. Bei Arten, die ohne Brutabsichten gepflegt werden, reduziert sich die aktive Zeit aauf die Mauser. Alle aktiven Phasen sind durch überwiegenden Baustoffwechsel gekennzeichnet. Die aufgenommene Nahrung wird zum größeren Teil für den Körperaufbau - also für Wachstum und Eiproduktion - verwendet. In der Ruhephase dagegen überwiegt der Betriebsstoffwechsel, bei dem die Nahrung überwiegend für Fortbewegung und andere Aktivitäten verbraucht wird. Diese beiden unterschiedlichen Stoffwechselphasen erfordern natürlich auch unterschiedliche Stoffe, nämlich Bau- und Betriebsstoffe. Diese wiederum müssen für die jeweilige Phase in richtig bemessener Konzentration im Grundfutter vorhanden sein. Aber auch die Zusatzfutterstoffe müssen diesen Wechsel in ihrer Zusammensetzung widerspiegeln. Gerade bei diesen Zusatzfutterstoffen fehlt der Aspekt der phasenbezogenen und demnach bedarfsorientierten Zusammensetzung auch bei den in letzter Zeit häufiger zu findenden Veröffentlichungen über Vitamine.

Meiner Meinung nach stehen die Vitamine viel zu stark im Vordergrund, eine Rolle, die wohl eher dem Protein, oder besser gesagt, den essentiellen Aminosäuren zusteht. Diese Zusammenhänge werde ich versuchen, in diesem Bericht darzulegen.

 

Grundsätzliche Überlegungen

Wie unschwer zu erkennen ist, gibt der Vogelhalter grundsätzlich seinen Vögeln ein Ersatzfutter. In der Wildbahn findet z. B. der Wellensittich Samen von verschiedenen Gräsern (Blakers et al., 1984), die allesamt nicht in unseren Breiten angebaut werden. Dagegen gehört die Hauptnahrung des Wellensittichs, die Spitzsaat, nicht zu den Pflanzen, die in der australischen Wildnis wachsen. Ihre ursprüngliche Heimat ist auf den Kanarischen Inseln. Somit ist ersichtlich, daß wir überwiegend Ersatznahrung anbieten. Diese ist jedoch soweit zusammengestellt, daß die Rohwertanalyse den natürlichen Bedürfnissen der einzelnen Vogelarten entspricht. Erfreulicherweise hat sich das Anbieten von Spezialmischungen (z. B. für einzelne Carduelidengruppen wie zeisige, Girlitze, Gimpel u. a.) in den letzten Jahren mehr und mehr durchgesetzt.

Dennoch: Zur Beurteilung des Futterwertes bedient man sich der Rohwertanalyse. Die Rohwertanalyse unterscheidet nach Kohlenhydraten, Roh-Fettanteil, Roh-Proteinanteil und Roh-Asche.

Wesentlich wichtiger aber ist die "Feinwertanalyse", die die einzelnen Bestandteile und ihre genaue Menge am Futter angibt. Somit gibt die Feinwertanalyse schon wesentlich genauere Auskunft über den Wert eines Futters. Sie differenziert z. B. Kohlenhydrate nach

 - Einfachzucker

 - Mehrfachzucker

 - Stärke

 Roh-Fett nach

 - einfachen Fettsäuren

 - ungesättigten Fettsäuren

 Roh-Protein nach

 - "normalen" Aminosäuren

 - essentiellen Aminosäuren

 Roh-Asche nach

 - Kalzium

 - Phosphor

 - weiteren Mengen- und Spurenelementen

 - nicht-verdaubaren Stoffen.

Sie erkennen, daß mit Hilfe dieser Aufschlüsselung schon wesentlich mehr über die Wertigkeit eines Futters abgelesen werden kann

 

Protein und seine Bausteine

Kohlenhydrate und Fette können sich unter normalen Bedingungen weitestgehend gegenseitig vertreten. Beide Grundstoffgruppen dienen z. B. auch der Energiegewinnung. Protein ist ein langkettiges Gebilde, das aus einzelnen Aminosäuren aufgebaut ist. Es sind 22 Aminosäuren bekannt, die als einzelne Bausteine ein Protein aufbauen. Erst ab einer Länge von ca. 2000 einzelnen Aminosäuren als Bausteine spricht man von Proteinen. Die Reihenfolge dieser 22 Aminosäuren ist dabei charakteristisch für das Protein einer Art. Somit könnte man anhand des Proteins die Zugehörigkeit zu einer Art (Lebewesen) erkennen. Die Anzahl der unterschiedlichen Aminosäuren läßt eine Vielzahl an Varianten im Protein zu. Wie jedes andere Lebewesen ist jeder Vogel durch nur ihm eigene Proteine charakterisiert. Dies bedeutet, daß die Aussage über einen Proteinanteil z. B. im Futter absolut nichts über die genaue Zusammensetzung des Proteins aussagt.

Von den 22 Aminosäuren sind 11 bekannt, die jeder Vogel direkt über seine Nahrung aufnehmen muß. Da deren Vorhandensein lebensbestimmend ist, nennt man diese allgemein die essentiellen Aminosäuren. Die restlichen 11 Aminosäuren können vom Vogel selbst gebildet werden oder zumindest aus den vorhandenen umgebaut werden. Ein weiterer Begriff ist der der stimulierenden Aminosäuren. Dieser Begriff besagt, daß die hierunter zusammengefaßten Aminosäuren sich positiv auf die Brutlust auswirken.

Die Verteilung der Aminosäuren ist bei jedem arteigenen Protein unterschiedlich.

Dies heißt, daß ein Futter trotz gleichen Proteingesamtgehalts (Roheiweiß) ganz unterschiedlichen Futterwert haben kann. Die essentiellen Aminosäuren werden auch als limitierende bezeichnet, da ihr Gehalt die Aufnahmefähigkeit des gesamten Proteins bestimmt. Im pflanzlichen Futteranteil ist dies überwiegend Methionin und Lysin, die fast immer stark unterrepräsentiert sind. Das heißt nicht weniger, als daß der Vogel trotz genügend hohem Proteinanteil diese oft nur zu 40 % verwerten kann und somit trotz reichlicher Fütterung objektiv Mangel erleidet.

Die Frage lautet somit: Was kann man dagegen unternehmen?

Die eine Form ist, den Gesamt-Proteingehalt eines Futters zu erhöhen. Dies führt aber zu einer erheblichen Belastung des gesamten Verdauungstraktes, der ja nur auf eine bestimmte Menge Protein ausgerichtet ist. Dies ist auch nicht durch Gaben von tierischem Protein alleine zu erreichen, da hier wiederum die anteilmäßige Zusammensetzung der Aminosäuren rein artspezifisch ist. Vollkommen unwirksam ist das Füttern von Keratin, wie von Jarosch (WSM 5, S 142) empfohlen wurde. Leider sind die einzigen Tiere, die Keratin aufschließen können, nur die Motten.

Die zweite und elegantere Methode ist, genau nur das zu erhöhen, was dem Vogel tatsächlich fehlt, nämlich die essentiellen Aminosäuren. Wenn man dem Futter die essentiellen Aminosäuren in reiner Form zugibt, kann der Protein-Gesamtanteil sogar auf ein Minimum reduziert werden, was letztlich weniger Probleme hinsichtlich diverser Stoffwechselerkrankungen bedeutet. Dies ist somit auch die biologisch ausgewogenste Methode, da sie absolut bedarfsorientiert ist.

Hierzu werden Präparate eingesetzt, die folgende Merkmale besitzen:

1.  freie Verfügbarkeit der Aminosäuren;

2.  2-Phasen-Wirkung;

     Inhalte, die sofort in den Körperkreislauf übernommen werden können.

     Inhalte, die nach Aufschluß, bzw. Vorbereitung durch Verdauung übernommen werden;

3.       Ausgewogenheit der essentiellen Aminosäuren, wie sie für Vögel erforscht wurden;

4.  Das gleichzeitige Vorhandensein derjenigen Vitamine und Mineralien, die den Proteinstoffwechsel in Gang halten;

5.  möglichst geringe Menge an komplexen Proteine, da hier wiederum die Gefahr von Protein-Fehlernährung gegeben wäre.

Da unter den essentiellen Aminosäuren auch schwefelhaltige sind, die wiederum das Keratin der Feder bilden, ergibt sich ein Einsatz solcher Präparate für die Aufzucht (bzw. während der gesamten Brutperiode) und während der Mauserzeiten beim Vogel. Gerade letztere bereitet vielen Tieren wohl die meisten Probleme, die überwiegend durch richtiges Zufüttern aufgefangen werden können.

 

Vitamine

Bei einer so gezielten Zufütterung der fehlenden Stoffe sollte man nichts dem Zufall überlassen und die Vitamine ebenfalls in standardisierten Mengen einsetzen. Dies erhöht wesentlich die Effizienz der Ergänzungsfutter. Außerdem ist meist auch die Vitaminversorgung der Vögel nicht ausreichend.

Dies liegt z. B. an der Lagerfähigkeit und Haltbarkeit der Saaten, an der Form der Weiterverarbeitung und an der Empfindlichkeit der Vitamine. So sinkt z. B. der Gehalt an Provitamin A in Pflanzen auf nur noch 2% der ursprünglichen Provitamin-Menge (Mussler, Trochilus 9, S. 14-21). Dies gilt auch für andere Vitamine. Also heißt dies, daß bei selbst bester Körnerfütterung dem Vogel die notwendigen Vitamine, die in sehr viele Stoffwechselgeschehen eingreifen, fehlen oder nur unzureichend vorhanden sind.

Über die lebenswichtige Funktion der Vitamine allgemein und deren Bedeutung im einzelnen soll hier nicht geredet werden, da dies in zahlreichen Publikationen (z. B. im KANARIENFREUND, VOLIERE, WS-MAGAZIN, u. a. in den letzten drei Jahren) nachlesbar ist. Hier soll als wichtigster Punkt die objektiv feststellbare Unterversorgung des Vogels bei überwiegender Körner-Ernährung herausgestellt werden.

Abhilfe kann hier durch 3 unterschiedliche Maßnahmen geschaffen werden, die sich teilweise sogar gegenseitig ergänzen können, sich aber keinesfalls ausschließen.

a) Keimfutter; aber bitte höchstens 6 Stunden oder weniger wässern! Der Nutzen ist hervorragend von Schmitz (AZN 35, S. 113-120/S. 184-188) dargestellt;

b) Grünfutter; die Verwendung von Grünfutter gilt allgemein als unangefochten, wobei allerdings die meisten Züchter entweder aus Zeitmangel oder wohnortbedingt auf Grünfutter verzichten (müssen).

c) Einsatz von Multivitamin-Präparaten kann Erfolg bringen oder aber auch Mißerfolge produzieren. Letzterer ist dann unabwendbar, wenn man die falschen Präparate verwendet ("irgend eines halt"), z. B. aus dem Human- oder Säugetierbereich. Da Säuger ganz andere Mengen der Vitamine benötigen als Vögel, ist sehr leicht möglich, daß das eine Vitamin deutlich überdosiert, das nächste hingegen bezogen auf den Bedarf des Vogels bringt den gewünschten Erfolg.

Die besten Garanten für eine optimale Versorgung des Vogels sind Multivitaminpräparate, die von Experten auf dem Gebiet der Vogelernährung zusammengestellt wurden. Auch hier wiederum gilt, daß in der heutigen Zeit, in der wir gewissermaßen eine Hochleistungszucht betreiben, der Gesamtbedarf an Vitaminen beim Vogel nicht mehr ausschließlich durch die traditionellen Fütterungsmethoden, wie Grünfutter und Keimfutter abgedeckt werden kann. Die moderne, leistungsorientierte Zucht erfordert den Einsatz standardisierter Vitaminpräparate.

 

Mengen- und Spurenelemente

Unter diesen Begriffen sind diejenigen Stoffe zu finden, die bei der Rohwertanalyse überwiegend die Rohasche ausmachen. Diese Mineralien werden in unterschiedlicher Menge im Vogelkörper benötigt, so daß sie nach Mengen- und Spurenelementen unterschieden werden.

So benötigt der Vogel z. B. zum Knochenaufbau und auch zur Eiproduktion Kalzium und Phosphor. Auch Eisen, Kupfer, Mangan, Kalium, Schwefel, Magnesium, Natrium, Chlor, Zink, Jod, Kobalt und Selen erfüllen wichtige Aufgaben im Vogelkörper. Mangelerscheinungen sind am besten bei Kalzium und Phosphor bekannt, da sie sich direkt in Knochenmißbildungen und/oder weichschaligen Eiern ausdrücken.

Allgemein üblich ist die Gabe von Mineralsteinen, Sepia-Schalen und Muschelgrit. Durch diese Gaben werden die drei unterschiedlichen Aufgaben der Mineralfütterung großenteils erfüllt. Mit dem Muschelgrit bekommt der Vogel die notwendigen Mahlsteine, mit deren Hilfe er im Muskelmagen die Körnernahrung zerkleinern kann. Sepiaschalen und Mineralsteine sorgen überwiegend für den Ausgleich des durch Wachstum länger gewordenen Schnabels. Nur zum geringen Teil können die beiden letzten zur optimalen Versorgung des Vogels mit den Mengen- und Spurenelementen beitragen. Die meisten Mineralstoffe sind zudem im Körnerfutter enthalten. Allerdings zählt nicht nur der absolute Gesamtgehalt der Mineralien, sondern auch ihr prozentuales Verhältnis. So müssen Phosphor und Kalzium mengenmäßig zueinander stimmen. Dies ist aber nicht das einzige Verwertungshindernis. So wird z. B. das Kalzium am besten aus organischen Verbindungen gelöst. Ähnliches gilt auch für die anderen Elemente, die z. T. nur in besonderen Formen aufgenommen werden können. So wird Eisen vorzugsweise als zweiwertiges Ion aufgenommen, wogegen dreiwertiges Eisen erst umgesetzt werden muß (= zusätzliche Belastung des Verdauungstraktes).

Die im normalen Futter vorhandene Menge an Mengen- und Spurenelementen ist daher erfahrungsgemäß nicht unbedingt in der Lage, den optimalen Tagesbedarf zu decken. Hierzu werden schon seit geraumer Zeit Mineralpräparate in der Vogelhaltung eingesetzt. Auch hier sind standardisierte Produkte für die Effizienz der Fütterung am besten geeignet.

 

Optimiertes Futter

Wenn wir all die oben genannten Forderungen für die praktische Vogelzucht nutzen wollen, heißt dies, daß wir ein Fütterungskonzept aufstellen, welches bei konsequenter Anwendung keine Versorgungslücken mehr offen läßt. Dies bedeutet auf alle Fälle, daß jede Phase ihre speziellen Ergänzungen benötigt.

 

1.   Das Grundfutter muß der jeweiligen Art angepaßt sein; verschiedene Körnermischungen für die vielen verschiedenen Arten. Zu beachten ist, daaß einige Arten leicht verfetten und daher mageres Futter zum Überleben benötigen.

2.   Ergänzt wird dies durch verschiedene Wildkräuter im halbreifen Zustand, je nachdem, was die Saison hergibt.

3.   Zur Aufzucht benötigen alle Vögel mehr und spezielles Protein. Viele Körnerfresser werden daher mit Aufzuchtfutter versorgt. Dies hat aber nur dann einen Wert, wenn es einerseits auch tierisches Protein enthält und andererseits genau um diejenigen Stoffe bereichert wurde, die im restlichen Futter fehlen.

4.   Die Mauser benötigt wiederum hochwertige Proteine, damit die Federbildung nicht ins Stocken gerät.

5.   Zwischen Mauser und der folgenden Brut muß eine Ruhephase sein, in der der Vogel sich erholen kann und auch die Gonaden zurückbildet. Erst durch den Wechsel, Schwellen und Schrumpfen, verliert der Vogel nicht auf Dauer die Brutlust. Da dieses Pulsieren besonders eng mit dem Angebot an Protein gebunden ist, muß zur Ruhephase das Proteinangebot deutlich niedriger sein als zu den aktiven Phasen. Trotzdem darf es natürlich nie an die lebensbedrohende Grenze herabsinken.

Ein optimiertes Fütterungskonzept bindet diese 5 Forderungen ein und bietet für jede der Phasen das entsprechende Haupt- oder Beifutter. Als Konsequenz kann man sicher sein, daß Grund- und Ergänzungsfutter (Zusatzfutter) der Jahresperiodik des Vogels angepaßt sind.

 

 

Optimierte Versorgung unserer Vögel  Teil 2

 

Ein zweiter Kreis umschließt die Gesundheit und das Wohlbefinden des Vogels. Hierhin gehört, daß das Tier (relativ) parasitenfrei ist und möglichst nicht durch Parasitenbefall geschädigt werden kann.

Je nachdem, wo sich ein Parasit festsetzt, wird er als Ektoparasit (außen) oder Endoparasit (innen) bezeichnet.

Die wenigen Ektoparasiten, die uns heimsuchen, sind Milben, Flöhe und Federlinge. Einem sonst gesunden Vogel kann auch ein mittelgroßer Befall nichts anhaben. Problematisch sind z. B. Milben meist nur bei ganz jungen Nestlingen, die leicht einmal von ihnen blutleer gemacht werden können. Eine milbenfreie Unterkunft gibt es höchst selten, doch sollten sie in Grenzen gehalten werden.

Seit neuestem stehen wieder die verschiedenen Insektizide im Kreuzfeuer, weil sie nicht nur die Parasiten töten, sondern auch die Warmblütler schädigen sollen. So mehren sich die Fällen, in denen Vögel mit Koordinationsstörungen und Leberschäden nach Insektizidgebrauch behaftet sind. In den meisten Insektiziden sind Pyrethroide, die sich durch besondere Langlebigkeit auszeichnen

Wesentlich weniger schädlich ist das namensähnliche Pyrethrum, das aus einer Chrysanthemen-Art gewonnen wird. Sein Vorzug ist die rasche Wirkung und die anschließende schnelle Zersetzung. Es bleiben also keine Rückstände, die sich wie DDT u. ä. im Körperfett ablagern können. Somit kann man natürlich den Ektoparasitenbefall bekämpfen!

 

Endoparasiten sind da wesentlich gefährlicher, weil man sie meist erst bemerkt, wenn es dem Vogel bereits ans Leben geht.

Von den verschiedenen Krankheitserregern sind  Coccidien, Trichomonaden, Haar- und Spulwürmer am häufigsten für Todesfälle verantwortlich. Besonders bei den in Außenanlagen gehaltenen Vögeln muß man von einer permanenten Gefahr der wild lebenden Vögel ausgehen, die durch den Draht ihre Krankheitserreger abgeben können. Es muß nur einmal ein infizierter Vogel auf der Voliere sitzen und seinen Kot durch den Draht fallen lassen, was täglich mehrfach passiert. Schnell haben die Krankheitserreger neuen Nährboden gefunden und können somit schnell die Voliereninsassen befallen.

Eine permanente Beobachtung kann zwar als erste Maßnahme das Schlimmste verhindern, doch wird niemand alle Wochen Kotuntersuchungen machen wollen. Diese sind entweder selbstgemacht sehr arbeitsintensiv oder von Instituten verhältnismäßig teuer, zumindest als Dauerlösung ungeeignet.

 

Vorbeugen ist besser als heilen!

Unter diesem Motto finde ich, ist die eleganteste Lösung, die Heilkräfte der Natur einzusetzen. Deren gibt es viele, wir müssen nur einmal in die Kräuterapotheke schauen. Nicht umsonst sagt der Volksmund, daß "für alles ein Kraut gewachsen" ist. Dieses wollen wir uns nun näher betrachten.

 

Coccidien

Sie gelten zu recht als die Hauptgeißel der Vogelliebhaberei. Wir erkennen den Coccidienbefall an den roten, aufgetriebenen Leibern, die meist auch noch die Leber als dunklen Fleck erkennen lassen. Das Brustfleisch dagegen ist stark eingefallen, die Muskeln stark zurückgebildet. In diesem Zustand hilft nur noch der Gang zum Fachtierarzt, der sicherlich speziellen Mittel gegen Coccidien verordnen kann.

Eine andere Möglichkeit ist, bereits vorbeugend Weidenrinden-Tee anstelle von Trinkwasser anzubieten. Die Weidenrinde enthält u. a. Stoffe, die Coccidienbefall verhindern. Somit dürfte der Tee als prophylaktische Alternative zum ständigen Medikamenteneinsatz anzusehen sein.

Auch Vier-Rinden-Tee wirkt schleimlösend und sorgt dafür, daß mit der abgelösten Schleimhaut auch viele Bakterien und andere unerwünschte Bewohner mit dem abgelösten Schleim ausgeschieden werden. Von ihm geht förmlich ein Reinigungsschub aus.

 

Entzündungen der Kropfschleimhaut

Häufig hört man, daß gerade Wellensittiche und andere Papageienarten durch ständiges Hochwürgen des Kropfinhaltes auffallen. Zur Paarungszeit ist dies zwar bei vielen Vogelarten ein gesundes Zeichen und für die Paarsynchronisation erforderlich, doch kann dies außerhalb der Brutzeit nicht die Ursache des Würgens sein.

Meist stellt der Tierarzt Entzündungen der Kropfschleimhaut fest. Neben diversen Mitteln, die vom Tierarzt verschrieben werden, hilft bereits im Vorfeld Ringelblumenblüten-Tee. Seine Inhaltsstoffe stärken die gesamten Schleimhäute, also auch die des Kropfes und des Darms.

Wurmbefall

Noch vor 20 Jahren führte bei den meist australischen Sittichen Wurmbefall am häufigsten zum Tode. Selbst wenn man bei akutem Befall eine Wurmkur machte, starben noch viele Tiere. Die von der Darmwand abgelösten Würmer wurden zu einem Knäuel und führten zum Darmverschluß, der ebenfalls tödlich ausging.

Der Wurm-Ex-Tee enthält Kräuter, die auf schonende Art und Weise entwurmen. Sie hemmen die Entwicklung dieser Darmparasiten, sorgen für deren Ausscheidung und verhindern einen Neubefall.

 

Das Immunsystem

Außer dem akuten Befall mit diesen Geißeln kann man aber auch etwas für die körpereigenen Abwehrkräfte unserer Tiere tun. Mit vielen Erregern muß der Organismus nämlich selbst fertig werden. Hierfür ist das Immunsystem zuständig. Es verfügt über eine Art Gesundheitspolizei. Eine Teesorte, die uns hierbei sehr hilft, ist der Spitzwegerich-Tee. Er wirkt einerseits reizmildernd und entzündungshemmend, andererseits bakterizid.

Zur Unterstützung und zum Aufbau des Immunsystems ist ebenfalls der Stärkungs-Tee besonders geeignet, der Roten Sonnenhut, Seifenrinde, Johanniskraut und Mistel enthält. Diese spezielle Mischung aktiviert und baut das körpereigene Immunsystem auf. Somit werden einerseits die Neuinfektionen reduziert, und andererseits Krankheitsabläufe stark verkürzt.    
Ein weiteres gutes Mittel zur Immunstärkung ist der Einsatz eines Produktes, das aus Algenextrakten besteht. Diese Inhaltsstoffe der Algen bewirken einen verstärkten Transport von Sauerstoffmolekülen durch die Zellmembranen. Hierdurch kommt es zu einem intensiveren und effektiveren Stoffwechsel. Gleichzeitig werden diejenigen Zellen aktiviert und unterstützt, die für das Immunsystem verantwortlich sind. Ein solches Ergänzungsfuttermittel ist unter dem Namen BioBird erhältlich. Die Bezugsquelle gebe ich gerne auf Nachfrage bekannt. 

 

Folgen für die Vogelhaltung

Nun kennen wir verschiedene Wege, wie diese Inhaltsstoffe der Pflanzen in den Körper gelangen und dort helfen. Bei den einen genügt es, wenn man das Kraut wie die normale Nahrung zu sich nimmt. Bei den meisten allerdings, die bei uns verwendet werden, müssen wir mit Wasser diese Inhaltsstoffe herauslösen, um sie für den Körper verfügbar zu machen. Je nach Kraut ist dies einmal mit Wärme und einmal ohne Wärme. Die Inhaltsstoffe des Spitzwegerich z. B. werden durch Wärmeeinwirkung zerstört und unwirksam, bei der Weidenrinde kann erst die Wärme alle benötigten Inhaltsstoffe aus der Pflanze herauslösen. Eines aber ist allen Teesorten gemeinsam:

Sie vermeiden den generellen Einsatz der harten Medikamente mit ihren Nebenwirkungen und haben allesamt dennoch starke heilende Wirkung. Als verantwortungsvoller Tierhalter kann man daher auf den Einsatz der diversen Tees nicht mehr verzichten.

Eine logische und sinnvolle Reihenfolge wäre wie folgt zu denken:

Ringelblumenblüten-TeeWeidenrinden-TeeStärkungs-TeeVierrinden-TeeSpitzwegerich-Tee
Je nach Bedarf ist der Zweitages-Rhythmus zur vorbeugenden Maßnahme der beste Weg. Das sieht in der Praxis dann so aus:

                 1. +   2. Tag Ringelblumenblüten-Tee            3. +   4. Tag klares Trinkwasser

                 5. +   6. Tag Weidenrinden-Tee                    7. +   8. Tag klares Trinkwasser

                 9. + 10. Tag Stärkungs-Tee                        11. + 12. Tag klares Trinkwasser

               13. + 14. Tag Vierrinden-Tee                       15. + 16. Tag klares Trinkwasser

               17. + 18. Tag Spitzwegerich-Tee                  19. + 20. Tag klares Trinkwasser

Besonders zu Zeiten hoher Belastung sollte man (außer, wenn Jungtiere noch im Nest liegen) nach diesem Modus arbeiten. Bei einigen Arten, z. B. bei den Neophemen, ist auch der Winter ein kritischer Zeitraum. Regelmäßige und wechselnde Teegaben vermeiden hier die bekannte Wintersterblichkeit!

 

Schluß

Als Ergebnis können wir somit für die optimierte Versorgung unserer Vögel zusammenfassen:

So erreichen Sie das Optimum in der Versorgung Ihrer Vögel.

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