Kanarienzucht

Die erste grobe Unterteilung in der Gruppe der Kanarien ist nach

Ich habe mich seit vielen Jahren der Farben- und der Gestaltskanarienzucht gewidmet. Wenn man von der unterschiedlichen Zuchtauslese absieht, gibt es viele Gemeinsamkeiten im Verlauf des Zuchtjahres.

         

Der Zuchtverlauf im Kreislauf der Jahreszeiten

Kanarienvögel haben wie die meisten anderen Vögel einen ausgeprägten Jahresrhythmus, der von äußeren Faktoren bestimmt wird. Hierzu gehören die klimatischen Vorbedingungen wie

Besonders das letztere ist im Verlauf des Zuchtjahres als steuerndes Element einsetzbar, wie aus inzwischen jahrzehntelangen Erfahrungen nachgewiesen werden kann.

Sicher gibt es eine Reihe von unterschiedlichen Züchtungsmethoden, hier möchte ich Ihnen meine Methode vorstellen, wie meine Kanarienvögel durch das Jahr geleitet werden.

Erste Überlegungen

Vor jedem Beginn mit der Kanarienzucht stehen ein paar Investitionen an, die die allgemeine Ausrüstung wie Käfige, Futtergeschirre und weiteres Zubehör betreffen. Auch muss man sich vorher Gedanken machen, wo die Vögel untergebracht werden sollen. Hierzu ist eine Unterbringung in zwei voneinander getrennten Räumen immer noch das beste. Ein Raum mit Volieren oder zumindest großräumigen Käfigen ist für die Ruhezeiten das richtige, die Zucht jedoch wird in einzelnen Käfigen (siehe meine Anlage) betrieben. Nur hier hat man den sicheren Nachweis der Abstammung.

Eine solche Käfiganlage kann man entweder selbst bauen oder sinnvoller, für nur unwesentlich mehr finanziellen Aufwand aber dafür in sauberster Ausführung von den verschiedenen Herstellern erwerben. Meine Anlage besteht inzwischen ausschließlich aus Gehu-Käfigen, die eine Reihe von Vorzügen haben. Planen Sie zur Sicherheit mindestens zwei Käfige mehr ein als Sie beabsichtigen Paare zur Zucht einzusetzen. s ist immer von Vorteil, wenn man Platz zum Ausweichen hat.

Der eigentliche Zuchtraum soll zumindest Stromanschluss haben, um die Beleuchtung anschließen zu können. Wenn Sie sonst keine Heizmöglichkeit haben (kein Anschluss an die Zentralheizung möglich ist), ist auch das Aufstellen einer - wenn auch teuren - elektrischen Heizung vorteilhaft.

Eigene Wasserversorgung ist dagegen schon fast Luxus, erleichtert die täglichen Arbeiten aber ungemein.

 

Der Anfang

Falls Sie neu mit der Kanarienzucht anfangen oder eine neue Kanarienrasse oder -farbe aufnehmen, ist der Erwerb der Vögel zur Zucht einer der wesentlichen Schritte. Ich weiß, dass hier die Vielfalt der Meinungen aufeinander prallt, teilweise auch äußerst konträr diskutiert wird. Ich bin jedoch immer gut damit gefahren, wenn ich nach reiflicher Überlegung bei einem der guten Züchter meinen Grundstock erworben habe.

Ein Anfang einer neuen Rasse oder Farbe sollte mit 4 bis 6 Paaren gemacht werden. Als absoluter Anfänger ist dies gleichzeitig schon die Höchstgrenze. Diese Anzahl ist genau richtig, um die täglichen Abläufe gut zu erlernen und trotzdem nicht überfordert zu werden.

Je nachdem welche Rasse Sie anstreben, ist dies auch gleichzeitig der größte Kostenfaktor, der die Investitionen des Zubehörs übersteigt.

Ideal ist es, wenn man schon im Lauf des Sommers weiß, was man möchte und bei wem man seine Tiere erwerben möchte. Frühestens  dann - es ist die Mauserzeit der Kanarien - beginnt ein Züchter, seine Nachzucht danach zu sortieren, was er halten möchte und was er abgeben kann. Wenn Sie früh Ihre Wünsche äußern, wird er sicher gute Tiere für Sie reservieren können. Die Abholung wird jedoch sicher erst im Herbst sein. Einige dieser Tiere wird der Züchter vielleicht noch ausstellen wollen, doch es eilt ja nicht.

Nach dem Erwerb beginnt Ihre erste wichtige Phase, nämlich die der Überwinterung der Kanarien. Schon hier wird der Grundstock für den Erfolg der Zuchtperiode gelegt. Folgen Sie mir deshalb durch die verschiedenen Phasen im Verlauf eines züchterischen Jahres.

 

Unterbringung im Jahreskreislauf

Außerhalb der Brutzeit hat sich die Unterbringung in geräumigen Volieren sehr bewährt. Hier können die Vögel ihre Flugmuskulatur trainieren. Dies ist für die gesamte Gesundheit wichtig. Die Bewegung bringt jeden Kreislauf und jeden Stoffwechsel in Schwung. Außerdem ist die gekräftigte Flugmuskulatur auch für den Bruterfolg mitverantwortlich.

Manches Mal fehlt allerdings der Platz für eine geräumige Voliere. In diesem Fall kann man sich auch mit größeren Flugkäfigen behelfen. Solche benutze ich z. B. beim Absetzen/Selbständigwerden der Jungvögel. Die eine Variante ist 120x40x50 cm, die andere ist 120x40x80 cm. Dort können kurzfristig auch einmal bis zu 12 Jungvögel gleichzeitig untergebracht werden. Für die dauerhafte Besetzung ist eine Zahl von höchstens 5 Tieren sinnvoll.

Zur Zucht werden die gerade beschriebenen Flugkäfige von 120x40x50 cm unterteilt, so dass jedes Zuchtabteil 60 cm Länge, 40 cm Tiefe und 50 cm Höhe hat. Ich verwende keine Außenfütterung und auch keine Futterautomaten. Die Außenfütterung deshalb nicht, weil die Jungtiere sie meist nicht finden und die Automaten nicht, weil sie den Halter in trügerische Sicherheit wiegen. Wasser dagegen wird in den bekannten Trinkröhrchen gereicht. Wenn die Jungtiere ausgeflogen sind, stelle ich meist noch einen kleinen Napf mit Wasser separat in den Käfig, damit die Jungen das Wasser auch sicher finden.

Für das Körnerfutter und das Keimfutter habe ich separate ovale Näpfe, wie sie der Handel meist günstig anbietet. Das Aufzuchtfutter gibt es in Spezialnäpfen, die in die Tür eingehängt werden. Hier gibt es verschiedene Modelle, wobei die von der Firma Porter (aus England) die besten sind. Diese haben eine wesentlich tiefere Rille, in die die Tür des Gitters hineingeht und damit für Stabilität sorgt. Diese Näpfe haben auch einen weiteren Vorteil: Man kann mehrfach am Tag - bei Bedarf - das Aufzuchtfutter erneuern und ergänzen, ohne jedes Mal in den Käfig langen zu müssen.

 

Die Fütterung im Jahreskreislauf

Der Nährstoffbedarf des Vogels ändert sich im Laufe des Jahres, je nachdem in welcher Phase er sich gerade befindet. In der freien Natur hängt dies eng mit den wechselnden Jahreszeiten zusammen, im Zuchtraum ist es jedoch mit technischen Mitteln möglich, auch im Winter "sommerliche" Licht- und Temperaturverhältnisse zu schaffen. Das darf aber nicht dazu verleiten, die Vögel ganzjährig in der Zucht zu belassen, denn um optimale Ergebnisse zu erzielen, müssen sich die Vögel auch regenerieren können! Neben Licht und Temperatur spielt auch die Zusammensetzung der Nahrung eine große Rolle bei der Steuerung der aktiven und passiven Phasen. Diese sollen hier genannt werden:

Vorbereitung   Brut   Aufzucht   Mauser   Ausstellung   Ruhe                           

Die Zuchtvorbereitung ist eine sehr aktive Phase. Im Körper des Weibchens werden die Eier gebildet. Diese können nur die Nährstoffe für den Jungvogel enthalten, die das Weibchen in dieser Phase aufnimmt. Was im Ei nicht enthalten ist, fehlt zur gesunden Entwicklung des Embryos, es kann zu frühzeitigem Absterben im Ei kommen! Auch das Männchen benötigt das beste Futter, denn die Balz ist ein großer Stress, besonders in Gemeinschaftsvolleren, aber auch bei Boxenhaltung, wenn die Paare sich untereinander hören und/oder sehen können.

Mein  Tipp:
Geben Sie täglich TopVit komplett, angefeuchtet mit MöhrenGold, GemüseMix und/oder RoteBeete. In einem Extra-Napf reichen Sie Weizenkeime trocken, zur freien Verfügung. Zur weiteren Stimulation können Sie den Vögeln Grünfutter anbieten.

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Das Bebrüten des Geleges ist eine passive Phase. Das Weibchen braucht viel Ruhe, um die Eier optimal zu bebrüten. Wird hier zu nährstoffhaltiges Futter gegeben, kommt es möglicherweise zu Störungen durch das Männchen.

Mein Tipp:
Geben Sie zweimal wöchentlich MultiVitamin flüssig ins Trinkwasser, um den Grundbedarf an Vitaminen zu decken. Dazu reichen Sie nur Körnerfutter, kein Keimfutter oder Grünfutter!

 

Am Ende der Bebrütung steht der Schlupf, falls die Eier befruchtet waren und sich Küken entwickeln konnten.
Mit Hilfe einer kleinen Lampe können die Eier etwa um den 7. Tag durchleuchtet und kontrolliert werden.

Rechts und links sehen Sie zwei Bilder, die beim so genannten "Schieren" eines Eies zu sehen sind. Schieren nennt man es, wenn kontrolliert wird, ob das Ei befruchtet ist.

 

 

Unbefruchtetes Ei
Der dunkle Fleck ist der Eidotter
  Befruchtetes Ei
Der gesamte Inhalt ist dunkel
Aufbewahrung der Eier, wenn das komplette Gelege untergelegt werden soll Ein Vierer-Gelege
 
Kanarienvogel-Ei kurz nach dem Legen
     

 

 

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Die Jungenaufzucht ist eine aktive Phase, in der es kaum ein "Zuviel" gibt! Die Jungvögel benötigen viel hochwertiges Eiweiß, viele Vitamine und Mineralstoffe, um groß und kräftig zu werden. Aber auch die Altvögel dürfen nicht vergessen werden: Die Aufzucht ihrer Jungen ist anstrengend. Mit dem besten Futter kann man ihnen die nötige Kraft dazu geben.

Jungvogel, ca. 6 Tage alt; Bitte auf die Rachenzeichnung achten! Jungvogel, etwa 10 Tage alt; die ersten Federn sind sichtbar

Mein  Tipp:
Der Futternapf mit
TopVit komplett sollte nun niemals leer sein! Feuchten Sie es mit MöhrenGold, GemüseMix und/oder RoteBeete an. Ab dem zehnten Tag (hier setzt die Thermoregulation des Vogels ein) können Sie zusätzlich Keimfutter und/oder Grünfutter anbieten

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Die Mauser ist eine aktive Phase. Der Vogel muss neue Federn bilden. Hierzu benötigt er besonders die schwefelhaltigen Aminosäuren sowie Mineralstoffe. Bedenken Sie, dass die Mauser ein großer Stress für Vögel ist, da sie zeitweilig nicht voll flugfähig sind. Auch das Immunsystem ist in dieser Phase meistens ziemlich geschwächt.

Mein  Tipp:
Geben Sie bis zum Ende der Mauser täglich
TopVit komplett. Feuchten Sie es mit MöhrenGold, GemüseMix und/oder RoteBeete an. Füttern  Sie dazu nur noch gelegentlich Keimfutter und/oder Grünfutter. Ins Trinkwasser geben Sie zweimal wöchentlich ein Algenkonzentrat, das Beta-Glucane enthält, um das Immunsystem zu unterstützen.

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Die Ausstellungszeit ist eine aktive Phase. Ausstellungen sind Stress für den Vogel. Schicken Sie deshalb nur absolut gesunde und kräftige Vögel auf eine Ausstellung! Wenn der Vogel gesundheitlich leicht angeschlagen ist oder sich trotz Training im Ausstellungskäfig nicht wohl fühlt, lassen Sie ihn besser zu Hause, denn gewinnen können Sie mit einem solchen Vogel sowieso nicht. Bedenken Sie: auch Vögel sind Persönlichkeiten und nicht jeder Vogel ist ein "Showbird", der sich gerne zeigt. Eine optimale Versorgung mit Nährstoffen während der Ausstellungsvorbereitung gibt Ihren Vögeln die Möglichkeit, den Stress besser zu verkraften und zu zeigen, was wirklich in ihnen steckt! 

Mein  Tipp:
Geben Sie Ihren  Ausstellungsvögeln auch weiterhin täglich TopVit komplett, angefeuchtet mit MöhrenGold, GemüseMix und/oder RoteBeete. Füttern Sie dazu Keimfutter und/oder Grünfutter, jedoch in geringeren Mengen, um Durchfälle zu vermeiden. Ins Trinkwasser geben Sie zwei Tage lang ein Algenkonzentrat, das Beta-Glucane enthält, um das Immunsystem zu unterstützen.

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Die Ruhephase ist eine passive Phase, während der lediglich eine Grundversorgung mit Nährstoffen gewährleistet sein muss. Sie ist aber auch eine gute Gelegenheit, die Gesundheit der Vögel auf natürliche Weise zu stärken.

 Mein  Tipp:
Geben Sie  zwei- bis dreimal wöchentlich Canaria. Alternativ können Sie zweimal wöchentlich
MultiVitamin flüssig  über das  Trinkwasser verabreichen. Bieten Sie Keimfutter oder Grünfutter höchstens alle zwei Wochen  in geringsten Mengen als Leckerbissen an.

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Zucht

Die Zucht beginnt wesentlich früher als man denkt. Schon bei der Vorjahresmauser und bei der Überwinterung werden die ersten wesentlichen Grundsteine für eine erfolgreiche Zucht gelegt. Die optimierte Versorgung während der Mauser wird im folgenden Kapitel erzählt, die Versorgung während der Überwinterung (Ruhephase) sehen Sie dort.

Nach dieser erfolgreichen Überwinterung denken wir daran, dass eine Zucht etwas Planmäßiges hat. Früh genug soll man sich überlegen, wann man mit der Zucht beginnen möchte. Von diesem Datum rechnet man etwa 6 Wochen zurück, dann hat man den Zeitpunkt, an dem die ersten Vorbereitungen zu treffen sind. Zu diesen ersten Vorbereitungen gehören

Gleichzeitig werden die Kanarien schon an die Gaben eines Aufzuchtfutters mit höherem und besser verwertbaren Proteingehalt gewöhnt. Ich beginne z. B. damit, in der ersten Woche nur zweimal Aufzuchtfutter zu geben, in der zweiten Woche dann dreimal und in der dritten Woche dann jeden zweiten Tag. In der vierten Woche bekommen meine Vögel täglich Aufzuchtfutter, natürlich noch in geringeren Mengen. In der letzten Woche vor dem Einsetzen gebe ich dann ebenfalls noch Weizenkeime ins Aufzuchtfutter, da dieses einen hohen Anteil an natürlichem Vitamin E enthält.

Dann ist der eigentliche Zeitpunkt des Einsetzens gekommen. Diese Arbeit mache ich gewöhnlich an einem längeren Wochenende. Zuerst werden die Weibchen in die für sie vorgesehenen Käfige gesetzt. Dabei bekommen die älteren Zuchtweibchen ihren Käfig des letzten Jahres wieder. Je nach Entwicklung der Weibchen setze ich dann die entsprechenden Männchen dazu. Schon im Herbst habe ich mir dafür überlegt, welches Männchen zu welchem Weibchen aufgrund seiner Veranlagung, seiner Federtextur und seiner Abstammung (unter Vermeidung von Inzestpaarungen) am besten passt. Diese theoretische Zusammenstellung wird am Tag des Einsetzens überprüft und bei offensichtlichem Irrtum korrigiert. 
Da ich überwiegend Paarzucht betreibe, kommt das Männchen natürlich zu dem Weibchen, bei dem es bleiben soll. Wenn einmal zu mehreren Weibchen nur ein Männchen passt, kommt dieses zu dem Weibchen, das schon in seiner Kondition am weitesten ist. Indem ich zuerst das Weibchen und dann erst das Männchen einsetze, vermeide ich die sonst unumgänglichen "Revierkämpfe" der Männchen, die erst einmal erkennen müssen, dass dieser "Eindringling" eigentlich ein Weibchen ist, das man nicht bekämpfen muss. Nur gelegentlich geht ein Weibchen zum Angriff über. Das kann zwei Ursachen haben. Entweder ist es noch überhaupt nicht zuchtreif oder es hat sich ungewollt wie auch immer schon ein anderes Männchen ausgesucht. Dann kommt das vorgesehene Männchen erst einmal in einen eigenen Käfig.

Derart vorbereitet hänge ich etwa 8 Tage später die Nester ein. Wenn ich bemerke, dass die Weibchen 'schneller' sind, gebe ich ein paar Fasern Scharpie. Reife Weibchen schleppen sofort damit herum und geben eindeutige Laute von sich, die den Nestbau auch sonst begleiten. In den letzten Jahren haben meine Weibchen innerhalb einer Woche ihr Nest gebaut. Das ist sicher auf die konsequente und zielgerichtete Vorbereitung zurückzuführen (siehe oben). In derselben kurzen Zeitspanne legen die Weibchen dann auch ihr erstes Ei und komplettieren ihr Gelege.

Ob man die Eier aus dem Nest nimmt und bis zum fertigen Gelege sammelt oder nicht, ist für mich keine Frage mehr. In den Anfangsjahren habe ich genauso gehandelt wie es schon unsere Urgroßväter beschrieben haben, aber seit etwa 1980 lasse ich die Eier meistens in den Nestern. Schnell habe ich gemerkt, dass sich die Weibchen sowieso erst nach dem dritten Ei setzen. Selbst Fünfergelege schlüpfen so an einem oder maximal an zwei aufeinander folgenden Tagen. Die Weibchen lernen auch wieder schnell ihr natürliches Verhalten, die Jungtiere reihum zu füttern.

Ab dem Zeitpunkt des Schlupfes gibt es jeden Tag Aufzuchtfutter, und ab dem achten Tag (also etwa mit der Beringung) gibt es zusätzlich Keimfutter. Beringt werden Kanarien wie gesagt zwischen dem 6. und 8, Tag, indem man die drei vorderen Zehen zuerst durch den geschlossenen Ring schiebt, diesen über die Hinterzehe weiter schiebt und schließlich die Hinterzehe (eventuell mit einem Federkiel nachhelfend) herausholt. 
Die geschlossene Beringung ist für einen Züchter, der am Schauwesen teilnehmen will, eine der Grundvoraussetzungen. Nur durch diese geschlossene Beringung kann sicher nachgewiesen werden, dass man selbst der Züchter ist. Zur Ausstellung kann man nämlich (im Gegensatz z. B. zu Großbritannien) nur die selbst gezüchteten Tiere bringen.

Mit etwa 30 Tagen ist ein Jungvogel soweit, dass er selbständig genügend Nahrung aufnehmen kann, um zu überleben. Dann kann man die Jungen von den Eltern trennen. Ich bevorzuge in der Zeit des Selbständigwerdens, kein Aufzuchtfutter zu geben, sondern das Grundkörnerfutter, Gekeimtes und eventuell das Grundfutter zusätzlich noch gequetscht. Ohne Aufzuchtfutter entwöhnte Junge bekommen wesentlich weniger Darmprobleme und sind stärker 'gezwungen', sich mit den Körnern zu beschäftigen. Nach weiteren 14 Tagen können die Jungvögel dann in den großen Flug zu den anderen gesetzt werden. Ab hier gibt es dann auch wieder Aufzuchtfutter, das nun durch die Mauser führt.

 

Mauser

Der Kanarienvogel gehört als Singvogel zu derjenigen Gruppe von Kleinvögeln, die einmal jährlich eine Gesamtmauser durchlaufen. Allerdings werden im ersten Lebensjahr nur die kleinen Federn neu gebildet. Die großen Federn, Schwung- und Schwanzfedern, bleiben normalerweise erhalten und müssen somit 1 1/2 Jahre funktionieren. Zum Abschluss ihres ersten vollen Lebensjahres, also zu ihrer zweiten Mauser, durchlaufen sie dann eine Vollmauser, in der auch die großen Federn neu gestaltet werden. Diese sind jedoch bis zu 1 cm länger als das Erstgefieder.

Das gibt für diejenigen Kanarienvögel, die zur Ausstellung vorgesehen sind, einige besondere Behandlungsrichtlinien:

  1. Gelb- oder Rotgrundige benötigen ihre Grundlagen für die Farbausprägung schon vor ihrem Schlupf die nötige Carotin-Menge, sonst ist das Großgefieder heller und blasser gefärbt als das Kleingefieder;
  2. Werden Teile des Großgefieders - zum Beispiel wegen eines Rupfers - erneuert, verschiebt sich die gesamte Form (=der Typ) des Kanarienvogels, insgesamt wirkt dies unproportioniert. Bei einigen Rassen, die laut Standard ein kurzes Schwanzgefieder haben sollen, ist sogar der Ausstellungserfolg gefährdet.
  3. Einige andere Rassen und Farben leiden sogar sehr stark und verlieren zum Teil sogar ihren Schauwert (Lizard, Mosaiken).

Trotz allem ist die Mauser kein krankhafter Zustand, sondern gehört zum natürlichen Jahreskreislauf eines Vogels. Wie bei der Fütterung im Jahreskreislauf schon angesprochen, muss die Versorgung  jetzt unbedingt optimiert sein. Zum einen geht  der Zeitraum der Mauser mit einer Erhöhung der Körpertemperatur um ca. 1 bis 1,5 °C einher, zum anderen zehrt die Federneubildung gewaltig an den Reserven des Vogels. Da er aber als Zuchtvogel vorher keine nennenswerten Reserven aufbauen konnte, ist der Zeitraum der Mauser auf jeden Fall als einer der kritischen anzusehen.

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Show-Time!

Unbestreitbar ist die Schausaison für viele Züchter der Höhepunkt des Zuchtjahres. Schließlich werden hier die Früchte der züchterischen Bemühungen geerntet. Vor dieser Ernte sind jedoch noch ein paar grundsätzliche Handlungen erforderlich.

  1. So ist die erste Voraussetzung, dass man die Zuchtauslese seiner Vögel nach denjenigen Kriterien betrieben hat, die der Standard vorgibt. Dies ist auch schon die schwierigste Voraussetzung. Zum einen gibt es immer wieder Diskussionen um die Standardauslegung, zum anderen sind selbst in langjährig erfolgreichen Zuchten die Top-Tiere dünn gesät. 
  2. Die Tiere müssen in ihrer Entwicklung alle notwendigen Stoffe mitbekommen haben, um gesund und kräftig zu sein. Wenn Sie diese Tipps bei der Fütterung im Jahreskreislauf befolgen, sind Sie schon auf der sicheren Seite.
  3. Zu guter Letzt fehlt noch die Stufe des Schautrainings. Beginnen Sie ruhig schon früh damit. Bei einigen Rassen (speziell bei den 'Haltungs-'vögeln) ist es ratsam, sie in größeren Flugkäfigen vermausern zu lassen. Wenn Sie dann noch an der einen Seite dieses Flugkäfigs einen alten Schaukäfig hängen, trainieren sich die meisten Vögel 'fast wie von selbst'.
    Als nächste Stufe brauchen Sie nach dem Abschluss der Mauser die Vögel nur für kurze Zeit in die Einzelkäfige zu setzen. Wenige Tage oder wenige Stunden alle paar Tage sind fast immer ausreichend. Falls nicht, lassen Sie dieses Tier zu Hause - und lassen Sie es auch nicht im nächsten Jahr zur Zucht zu. Auch solcherart Merkmale werden vererbt.

Ach ja, die geschlossene Beringung mit Fußringen, die die eigene Züchternummer tragen, ist bei uns in Deutschland allererste Bedingung. 

Dann müssen Sie nur noch am Tag der Einlieferung zur Vogelschau die Vögel in frische, saubere Ausstellungskäfige einsetzen und zur Schau transportieren. Dann dürfte dem Schauerfolg nicht viel im Wege stehen - vorausgesetzt Sie haben entsprechend gute Tiere.

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