Finkenzucht

Biologie der Carduelidae und Fringillidae

Finkenzucht ist Erhaltungszucht. Arten und Unterarten werden ”rein” gezüchtet ohne dass der Züchter gestalterisch eingreift. Dies bedeutet, dass die Formen (also Arten und erkennbare Unterarten) auch mit ihrer natürlichen Variabilität in Menschenobhut erhalten bleiben sollen. Hiermit will man über die sichtbare Variabilität auch die genetische Variabilität zum größtmöglichen Teil erhalten. Nur genetisch variable Gruppen haben eine hohe Überlebenschance.

Solche Ziele in der Zucht setzen jedoch Grundkenntnisse in der Biologie der Finken voraus. Hierzu gehören die Systematik, Tiergeographie und die Populationsbiologie.

 

 

Systematische Stellung der Carduelidae und Fringillidae

Die erste bedeutende Frage, warum Finken aussehen wie wir sie kennen, wird von der Stellung der Finken im System der Vögel beantwortet. Bevor wir jedoch die spezielle Systematik und die Stellung der Arten im gesamten Phylogenetischen System anschauen möchten wir etwas näher auf die wissenschaftliche Systematik und ihre Grundzüge eingehen. Diese allgemeinen Kenntnisse erleichtern später das Verstehen unter anderem auch der Zielsetzung der Finkenzucht.

 

Geschichte der Systematik

 Die Ursprünge der Systematik werden gerne bei Aristoteles, ca. 350 v. Chr. gesehen, der bereits viele Naturformen beschrieb und klassifizierte. Die nächsten Jahrtausende brachten einen vielfachen Wandel in der Zielsetzung der Systematik.

Unser heutiges System ist auf der Arbeit Linnés (Systema naturae Þ Systematik) aufgebaut. Linné führte außerdem die Binäre Nomenklatur (zweiteilige Namensgebung) ein. Dieser wissenschaftliche Name sollte ein Lebewesen kurz und prägnant charakterisieren und somit eine Art ”Eselsbrücke” für denjenigen sein, der sich mit den Naturwissenschaften befasst. Allen älteren Systematikern ist gemeinsam, dass sie alles nur nach äußeren Ähnlichkeiten ordneten und noch nichts von dem wussten, was wir heute ”Verwandtschaft” nennen.

Erst mit Hartert (ca. 1900) kam der dritte Name hinzu. Diese drei Namen sagen aus:

-          Gattung

-          Art

-          nur bei der Notwendigkeit Unterart (dann wird einmal der Artname doppelt gebraucht
       = Nominatform).

Diese wissenschaftlichen Sachverhalte haben auch ihre Auswirkungen auf unsere Züchtungsbemühungen. Daher denke ich, ist es wichtig, einem breiteren Publikum die Zusammenhänge innerhalb der Systematik zu erläutern. Ein weiterer Aspekt ist, dass man gerne von ”Artenreinheit” und ”Unterartenreinheit” redet.

 

Aufgaben der Systematik

 Ursprünglich war es nur die Suche nach einer natürlichen Ordnung und ihrer Klassifikation im Sinne von einem Bestimmungsschlüssel. Schon bald war man mit dieser Einteilung nicht mehr zufrieden. Man glaubte, einen bestimmten Plan in diesen abgestuften Ähnlichkeiten wieder zu erkennen und diesen Plan auf die zu jener Zeit vielzähligen neu entdeckten Tierarten projizieren zu können. Dann kam die Zeit Darwins, der die Arten als durch Evolution entstanden betrachtete. Evolution bedeutet, es gibt gemeinsame Vorfahren. Je näher dieser gemeinsame Vorfahre zweier Lebensformen steht, um so näher verwandt sind diese. Umgekehrt kann man oft aus Ähnlichkeiten auf eine nahe Verwandtschaft schließen (man muss nur den so genannten Zirkelschluss vermeiden!).

Mit dem Erkennen, dass Ähnlichkeiten im Äußeren auf gemeinsame Vorfahren zurückzuführen sind, kam die völlig neue Aufgabe der Systematik auf. Lange Zeit suchte man nach Homologien, d. h., Ähnlichkeiten aufgrund naher und nächster Verwandtschaft. Die moderne Systematik geht noch weiter. Die auf Hennig (1982, bzw. 1960) basierende Phylogenetische Systematik konkretisiert sogar noch die Homologiekriterien, indem nur diejenigen für systematische Schlussfolgerungen relevant sind, die als gemeinsam abgeleitet erkannt werden. Die anderen, die ursprünglichen Merkmale, bleiben unberücksichtigt. Das Ergebnis ist eine Hierarchie der Verwandtschaft, die in ihrem Optimum eine dichotome (zweiwegige) Verzweigung zeigt:

         - 2 Arten können zu einer Superspezies

         - 2 Superspezies können zu einer Untergattung

         - 2 Untergattungen können zu einer Gattung zusammengezogen werden (u.s.w.).

Für die Nomenklatur sind nur die Art und die Gattung maßgebend, alle anderen Ebenen werden in Diagrammen dargestellt (s. z. B. Wolters, 1983).

Eine Phylogenetische Systematik führt natürlich zu einer Vielzahl anerkannter Gattungen, da nur so der Verwandtschaftsgrad auch aufgezeigt werden kann.

 

Definitionen

 An dieser Stelle ist es notwendig, einige Begriffe zu klären, mit einer Definition zu versehen, damit man weiß, über was wir letztlich reden.

Die zentrale Stellung, gewissermaßen die Urzelle, gehört der Art. Es gibt viele Varianten von Artdefinitionen, jede hat ihre Tücken, da so gut wie keine auf die gesamte lebendige Welt anwendbar ist. Daher möchte ich hier die halbwissenschaftliche Formulierung wiedergeben, die meines Erachtens gut zutrifft:

”Was sich paart, ist Art”. Dahinter steht die Aussage, dass nur Lebewesen derselben Art sich unter natürlichen Bedingungen und uneingeschränkt paaren und wiederum unbegrenzt fruchtbare Nachkommen hervorbringen können. Nun ist es natürlich nicht möglich, dass der sibirische Stieglitz direkt auf den spanischen trifft und Nachkommen hat. Demnach könnte man beide Formen als eigene Art ansehen. Doch da zwischen allen benachbarten Populationen ungehindert Nachkommen gezeugt werden, sieht man auch die End- und Eckpopulationen in einem solchen Fall als zu einer Art gehörend an.

Die Verschiedenheit innerhalb einer Art hat auch einen Namen, der leider in den meisten populären Abhandlungen falsch gebraucht wird. Die Untergliederung einer Art wird nicht Rasse genannt. Dieser Begriff soll nur bei vom Menschen geschaffenen Differenzierungen benutzt werden und ist somit für die Haustier-Formen alleine zu verwenden. Der für die Systematik richtige Begriff natürlicher Arten-Untergliederungen ist Unterart (oder in der Fachsprache Subspezies) und soll auch nur hier eingesetzt werden.

 

Unterartengliederung

 Im Gegensatz zur Art ist die subspezifische (= unterhalb der Kategorie Art) Untergliederung nicht unbedingt auf die Stammesgeschichte der Lebewesen zurückzuführen. Bleiben wir einmal bei einer Art, die sich weiter untergliedern lässt.

Der Gimpel (Pyrrhula pyrrhula) hat ein Verbreitungsgebiet, das weite Teile Europas und Asiens umschließt. Dieses Verbreitungsgebiet liegt etwa zwischen dem 37. und 75. Breitengrad und damit über mehrere verschiedene Klimazonen. Aus vielen Untersuchungen weiß man, dass Vögel an Körpergröße zunehmen, wenn sie in Gebiete vordringen, die den Polen (zunehmend kälter werdendes Klima) näherliegen. Auch der Gimpel unterliegt diesem Wandel. Dies bedeutet, dass die iberische Form als die südlichste Form zugleich auch die kleinste ist. Verfolgt man nun die einzelnen Gebiete zwischen Spanien und Skandinavien, hat man alle 500 km bereits eine deutliche Größenzunahme zu verzeichnen, die ihren Höhepunkt an der nördlichsten Verbreitungsgrenze erreicht. Dies ist ein gutes Beispiel für einen Klin. Wo nun die Grenzen zwischen den einzelnen Formen - bei gänzlich fließender Merkmalsabwandlung - zu ziehen sind, bleibt alleine dem Betrachter oder dem Bearbeiter dieser Gruppe überlassen. Andere Formen lassen sich durch gänzlich abweichende Zeichnungsmuster abgrenzen. Diese aber bewohnen eine Insel. Durch die Lücke im Verbreitungsgebiet können hier logischerweise keine Übergangsformen feststellbar sein. Dennoch, nicht nur die Inselformen, sondern auch die eurasischen Formen im geschlossenen Verbreitungsgebiet waren für einige Systematiker Grund genug, eine Vielzahl von Unterarten zu benennen, wobei die ”Abgrenzung” der klinalen Formen nur statistisch möglich ist und somit deutlich keine natürliche Arten-Untergliederung darstellt.

Wie kommt nun eine Benennung einer Unterart zustande? Sehen wir uns die Entwicklung des Begriffs der Unterart an.

Bereits Linné kannte ”Varietäten” als Untereinheiten der Art. Er bezeichnete hiermit allerdings alle Abweichungen des ”Typus” einer Art. Ähnliche Sicht hatten auch Brehm (1787-1864) und Kleinschmidt (1870-1954), die z. B. jede abweichende Form als eigenständige Art beschrieben und ihr einen eigenen wissenschaftlichen Namen gaben. Hiervon künden auch heute noch die oft langen Synonymlisten in den Artenlisten. Die Folge war, dass oft von einem Fundort mehrere Artenbeschreibungen vorlagen.

Seit etwa 1890 befasst man sich intensiver mit der Variabilität innerhalb einer Art, verknüpft den Begriff ”Unterart” oder Subspezies zwingend im Sinne der geographischen Variabilität, nicht dagegen mit dem Vorhandensein oder dem Fehlen von bestimmten Merkmalen. Genau dies macht die Erfassbarkeit von ineinander übergehenden Unterarten fast unmöglich. Es grenzen nämlich eigentlich keine Unterarten aneinander, sondern vielmehr wandelt sich die Masse der Merkmale - unabhängig voneinander - z. B. von Ost nach West oder Süd nach Nord. Ist eine solche Merkmalsabwandlung mit geographischen oder klimatischen Merkmalen konform, spricht man von einer klinalen Abwandlung oder nur von einem Klin. Deutlicher ist das Vorkommen isolierter (Berggipfel, Inseln, etc.) Populationen. Hier kann man aufgrund von natürlichen Barrieren annehmen, dass ein totaler Genfluss nicht mehr stattfindet. Solche isolierten Populationen können nach langer Zeit Arteigenständigkeit erlangen.

Ist eine Art stark variabel und lassen sich abweichende Individuen gehäuft (75 %) in einem abzugrenzenden geographischen Bereich finden, berechtigt dies zum Aufstellen und Benennen einer eigenständigen Unterart. Im extremsten Fall könnte dies dazu führen, dass jede mehr oder weniger abweichende Population den Status einer eigenen Unterart bekommt. Dies aber führt zum Gegensatz dessen, was Systematik bezweckt: Die Formenvielfalt würde das Erkennen der gesamten Art ersticken.

Es ist übrigens nicht ausgeschlossen, dass sich Populationen in Gegenden, die niemals Verbindung zu einer solchen Gruppe erkennen ließen, ebenfalls Merkmale aus dieser Unterart zeigen. Daher möchten wir noch einmal deutlich machen, dass die Unterart alleine durch die Herkunft, nicht durch ihre Merkmale bestimmt ist.

Wir sehen also, dass ein Vogel, als Individuum von uns betrachtet, fast nie eindeutig einer der beschriebenen Unterarten zuzuordnen ist. Diese Zuordnung wird durch die individuelle Variabilität erschwert, die teilweise über die Grenzen der Unterarten geht. Daraus dürfen wir nur schließen, dass die Bewertung der Wildformen (ob die Nichtdomestizierten Prachtfinken, Sittiche und Papageien oder die Einheimischen und Cardueliden) immer die Variabilitätsfrage mit einschließen muss und die Begutachtung losgelöst sein muss von dem Hang, alles in engste Kästchen zu zwängen. Auch unter der Berücksichtigung von Farbschwankungen und anderem lassen sich genügend bewertungsfähige Kriterien finden, um einen Sieger hervorzuheben.

 

Verbreitung generell (Klimaregeln)

Wahrscheinlich werden Sie sich fragen, was Geographie mit der Bewertung unserer Vögel zu tun hat. Schließlich wird ein Vogel nach seinem Äußeren und nicht nach seiner Herkunft beurteilt.

Trotzdem gibt es Punkte, die es wichtig erscheinen lassen, dass die Grundlagen der Zoogeographie jedem klar sind, der die Wildformen der Vögel beurteilen will. Hiermit schließe ich bewusst alle Arten Papageien, Prachtfinken, Finken und andere Singvögel ein.

Im Gegensatz zum Zebrafinken, Wellensittich oder Kanarienvogel befassen wir uns mit Formen, die weder vom Menschen ”geschaffen” wurden wie die Domestizierten, noch vom Menschen verändert werden sollen. Das erklärte Ziel der Zucht (oder ”Vermehrung”) der Wildvögel ist der Erhalt, nicht die Umformung. Zum Erhalt gehört nicht nur die Kenntnis der Formen als solche, sondern auch deren Variabilität. Auch die Variabilität gehört zum Erscheinungsbild einer Art. Genau hier ist der Punkt, wo wir die Ornithologie mit all ihren Fachbereichen zur Hilfestellung für uns nutzbar machen können. Zur Formenkenntnis gehört das Wissen, wie unterschiedliche Formen entstehen und wie sie sich im Raum verteilen.

 

Die Grundlagen

 Diese Wissenschaft heißt Zoogeographie und forscht darüber, wo eine Tierart vorkommt und warum dort. Dies führt uns bereits zur ersten Definition:

Zoogeographie ist die Wissenschaft, die sich mit der Verteilung der Tierwelt auf der Erde befasst”

Sie gliedert sich in verschiedene Gebiete, von denen uns nur der Bereich der kausalen Zoogeographie interessiert. Sie beschäftigt sich mit den Studien über die detaillierte und exakte Verbreitung einer Art oder Gruppe von Arten.

Hierbei können wir in unserer Zeit nur die momentane Situation festhalten, in nur wenigen Fällen haben wir die Chance, die Veränderung von Arealgrenzen mitzuverfolgen.

Wir sehen also, Areale sind genauso wenig statisch wie die Art selbst. Beispiele von Arealveränderungen sind u. a. der Birkenzeisig, der Girlitz und der Karmingimpel, deren Arealvergrößerung wir seit etwa 100 Jahren nachvollziehen können.

 

Verteilungs-Schemata der Arten

Wovon hängt nun die Verbreitung einer Form ab? Da sind zum einen die abiotischen Faktoren wie Temperatur, Licht und Feuchtigkeit. Sie zusammen ergeben das, was wir die klimatischen Bedingungen nennen. Sie wiederum lassen bestimmte Pflanzenarten wachsen. Diese nun sind die Nahrungs-Grundlagen unserer Körnerfresser. Aber auch bei den Insektenfressern ist die Pflanzenwelt nicht unwichtig. Vielfach sind Vogelarten auf bestimmte Insekten angewiesen. Diese wieder benötigen ihre bestimmten Pflanzen.

Begrenzend für die Verbreitung wirken sich hingegen die Nahrungs- (oder andere) Konkurrenten und die Feinde aus.

 Auch die Geographie selbst liefert uns wichtige Erkenntnisse über die Verteilung. Die Erde hat z. B. nicht immer wie heute ausgesehen. Vor mehr als 200 MIO Jahren hingen die Erdmassen zusammen und bildeten den Ur-Kontinent. Durch Drift einzelner Schollen brach dieser Urkontinent auseinander. Zuerst trennten sich die südlichen Teile und erst zum Schluss wanderten die nördlichen Teile auseinander.

Diese unterschiedlich alten Trennungen spiegeln sich am deutlichsten in der Unterteilung der Erde in tiergeographische Regionen wider. Diese decken sich übrigens fast vollständig mit den Floren-Regionen. Eine Ausnahme bildet hier nur die Capensis, deren Sonderstellung nur in der Geobotanik gefestigt ist.

Die wechselhafte Geschichte der Erde hat natürlich auch ihre Tücken. In nicht allzu ferner Vergangenheit hat z. B. auch die letzte (wie jede) Eiszeit das Verbreitungsmuster stark durcheinander gebracht. Schließlich ergaben sich durch die Eiszeit neue Wege und besondere Rückzuggebiete, die wir nur durch das Wandern des Eises und den Wechsel der klimatischen Bedingungen erklären können.

 

Zum Schluss tragen die einzelnen Tierarten selbst zur neuen Verbreitung bei. Einige Arten sind fast so sesshaft wie Pflanzen, andere hingegen haben einen sehr hohen Grad an Mobilität. Hierzu gehören nun einmal die Vögel. Für sie ist es relativ leicht, auch größere Entfernungen zwischen Festland und Inseln zu überwinden. Hierfür sind die Darwinfinken das beste (und wohl meistzitierte) Beispiel.

 

Die Klima-Regeln

Neben diesen generellen Verbreitungsmustern gibt es weitere, die im Bereich der Feinsystematik unterhalb des Artniveaus die verschiedenen Formen strukturieren. Zu ihnen gehören die verschiedenen Klima-Regeln. Obwohl die Vögel zu den gleichwarmen Tieren gehören, deren Körpertemperatur nicht von der Umwelt bestimmt wird, gibt es gesetzmäßige Zusammenhänge zwischen den Klimafaktoren und verschiedenen Körperfunktionen.

Die wohl bekannteste und meist zitierte ist die 

1. Klima-Regel: Bergmann’sche Regel: Die Körpergröße nimmt zu, wenn die Art sich zu den kälteren Regionen ausdehnt. Volumen : Oberfläche 1³ = 1²  aber 2³ > 2²  (8>4)!!      
Dies gilt für die Verbreitung Richtung Pol oder in die höheren Regionen!

Dahinter verbirgt sich, dass bei relativer Abnahme der Körperoberfläche der Wärmeverlust zur Umgebung abnimmt und deshalb der Organismus weniger Nahrung benötigt, um die gleichwarme Körpertemperatur zu erhalten.

Auch bei der zweiten Gesetzmäßigkeit ist das Vermeiden von Wärme- und somit Energieverlusten das Ziel.

2. Klima-Regel: Allan’sche Regel: Die Körperanhänge/Extremitäten nehmen zu den kälteren Regionen hin ab!! (Vermeidung des Wärmeverlustes bei z. B. Beinen)      
Dies gilt für die Verbreitung Richtung Pol oder in die höheren Regionen!

Die Extremitäten sind logischerweise schlechter gegen Wärmeverlust geschützt (Läufe unbefiedert!!) und reduzieren deshalb bei geringerer Länge diesen Energieverlust.

Die dritte und für uns letzte Gesetzmäßigkeit zielt weniger auf den Energiehaushalt als auf die umgekehrte Gefahr von Überhitzung. Es leuchtet ein, dass wärmere Gebiete natürlich durch höhere Sonneneinstrahlung gekennzeichnet sind. Die höhere Einstrahlung bringt aber auch Gefahren, die wir Menschen z. B. als Sonnenbrand kennen.

3. Klima-Regel: Gloger’sche Regel: In wärmeren und feuchteren Gebieten nimmt die Pigmentierung zu!
Beispiel ist der ”Polarbirkenzeisig”!

Eine stärkere Pigmentierung löst das Problem, denn dunkle Pigmente ”schlucken” die Strahlung. Die sehr häufig auffindbaren blassen Wüstenformen (”Isabellschmätzer” u. a.) scheinen das Gegenteil zu beweisen, doch tritt hier vor allem die bessere Schutzfärbung (”blasses” Kleid = ”sandfarben”) als Selektionsvorteil auf.

 

Warum kommen verschiedene Gruppen (Gattungen) nur in der Alten oder in der Neuen Welt vor?

Dies ist zum einen über die stammesgeschichtliche Entwicklung zu erklären. Man geht in der modernen Systematik bekanntlich von Verwandtschaftsgraden aus. Verwandt kann aber nur sein, was einen gemeinsamen Vorfahren hat. Damit sind Formen um so näher verwandt, je geringer der zeitliche Abstand zu ihrem gemeinsamen Vorfahren ist ( siehe hierzu den Teil „Ornithologische Systematik“). Zwei nahe verwandte Formen müssen demnach auch räumlich nahe beieinander wohnen. Dies soll an einem Beispiel erklärt werden.

Die Aufnahme von Nektar aus den Blütenpflanzen ist bei zwei verschiedenen Gruppen Nahrungsgrundlage, bei den Nektarvögeln und bei den Kolibris. Erstere leben in Afrika, letztere im amerikanischen Raum. Wenn man nun den Bau des Schnabels und die Nahrungsgewohnheiten als einzige Entscheidungsgrundlage benutzt, könnte man fälschlicherweise schließen, dass beide Formen einen direkten gemeinsamen Vorfahren haben müssten. In Wirklichkeit ist es aber so, dass beide Formen nicht nur zu unterschiedlichen Familien, sondern sogar zu unterschiedlichen Ordnungen gehören. Dabei haben die Trochiliformes ihre nächsten Verwandten in der Gruppe der Apodiformes (Seglerartige), die Nectariniiidae dagegen sing eine Gruppe innerhalb der Sperlingsartigen, den Passeriformes. Die Zoogeographie gibt uns, neben verschiedenen anatomischen Merkmalen, einen weiteren Hinweis auf diese Sichtweise: die beiden Kontinente, auf denen die beiden Gruppen vorkommen, sind bereits seit so vielen Jahrmillionen getrennt, dass eine nähere Verwandtschaft ausgeschlossen ist.

Zum anderen hängt natürlich die Verbreitung der Arten auch mit ihren Nahrungsbedürfnissen zusammen. Nur ist dieser Zusammenhang oft nur sekundär. Vielfach kann man annehmen, dass sich Nahrungsansprüche und Nahrungsangebote parallel entwickelt haben. Schließlich hängt auch das Vorkommen der Pflanzen von geographischen Faktoren ab. Dies führt aber in diesem Aufsatz zu weit.

 

Wieso sind bei einigen Arten die Unterarten auf der gesamten Holarktis verteilt?

Hier nun kommt die Geographie voll zu ihrem Recht. Wir erinnern uns, dass die Urkontinente vor etwas mehr als 200 Millionen Jahren noch zusammenhingen und erst langsam von der Südhalbkugel zur Nordhalbkugel sich trennten. Die höheren Taxa der Systematik wurden demnach schon früh voneinander getrennt. Nur die unteren Taxa hatten noch länger Gelegenheit, untereinander freien Genaustausch vorzunehmen.

Aber ein weiterer Grund liegt vor, warum z. B. gerade in der Holarktis viele Arten in differenzierten Unterarten gemeinsam vorkommen: Die vier Eiszeiten, und hier vor allem die letzte, die erst vor rund 10.000 Jahren endete.

Während der Eiszeiten wurde viel Wasser gebunden. Damit sank der Wasserspiegel auf der gesamten Erde teilweise so stark, dass geringere Wassertiefen plötzlich trocken fielen und zu begehbaren Landteilen wurden. Dies ist nachweislich in der Beringstraße zwischen Alaska und Sibirien geschehen. Über solche Landbrücken konnten dabei viele beweglichere Arten ungehindert in neue Regionen vorstoßen. Von der Zeit, als dann das Eis wieder schmolz und die Länder wieder voneinander trennte, blieb bis zum heutigen Tag genügend Möglichkeit, unterschiedliche Merkmale auszuprägen und somit als eigenständige Unterarten erkannt zu werden. Über solche Landbrücken müssen z. B. auch die frühen Cardueliden vom eurasischen auf den amerikanischen Kontinent übersiedelt haben. Da dies aber wohl in einer der früheren Eiszeit abgelaufen ist, reichte die Zeit, um Artstatus zu erreichen.

Andere Regionen sind sogar mehrfach aus verschiedenen Richtungen immer wieder besiedelt worden, wie der indonesische Raum, der deshalb oft als ”Wallacea” besondere Aufmerksamkeit bei den Forschern genießt.

 Sie sehen also, dass die Zoogeographie ein wichtiger Bestandteil ist, um Systematik und mit der Systematik die Formenvielfalt zu verstehen.

Selbstverständlich kann in einem solchen Referat nicht die gesamte Thematik der Zoogeographie behandelt werden. Es lohnt sich also, bei Interesse in dieser Thematik weitere Literatur zu bemühen.

 

Die Arten in der systematischen Stellung

Die Gruppe derjenigen Vögel, die zusammenfassend als "Finken" bezeichnet werden, gehören zwei sehr nahe verwandten Familien an, den Carduelidae (Hänflingsartige) und den Fringillidae (Echte Finken). Beide sind Gruppierungen innerhalb der Passeres (Singvögel), die wiederum zu den Passeriformes (Sperlingsvögel) gehören.

Nahe Verwandte sind die Familien der Passeridae (Sperlinge) und die Urocyncramidae (Langschwanzgimpel). Dieser Gruppierung stehen die Emberizidae (Ammernartigen) Icteridae, (Stärlinge), Thraupidae (Tangarenartige) und Parulidae (Waldsänger) gegenüber.

 Die beiden Familien Carduelidae und Fringillidae sind durch gemeinsame Merkmale gekennzeichnet. Eines davon ist, daß die äußerste Handschwinge so stark verkürzt ist, dass man sie als „Neun-Handschwingige Vögel“ bezeichnet. Eine andere Gruppe, die wie erwähnt nahe verwandt ist und gelegentlich hinzugezählt wird, ist die Gruppe Urocynchramus (Langschwanzgimpel), die zwar eine große Ähnlichkeit zum Meisengimpel (Uragus) hat, aber im Gegensatz zu ihr zehn Handschwingen besitzt. Die ist z. B. ein Merkmal, das den Status als eigenständige Familie Urocynchramidae rechtfertigt.

Finken sind überwiegend Körnerfresser, die ihre Körner nicht wie Hühnerartige oder Taubenartige ganz herunterschlucken, sondern in einem recht komplizierten Vorgang von der äußeren Hülle befreien, also schälen. Zur Brutzeit werden vermutlich von allen Arten außerdem tierische Nahrung aufgenommen. Bei einigen Arten wird außerdem vermutet, dass Nektar und Pollen aufgenommen werden. Die offenen napfförmigen Nester werden in Sträuchern und Bäumen gebaut, selten werden Felsspalten oder ähnliches genutzt.

Nach Haffer (in Glutz, Bd. 14/II, S. 313 ff) sind die Formen vor maximal 4 Millionen Jahren entstanden.

 

Fringillidae

Die Familie der Echten oder Edelfinken (Fringillidae) wird von nur drei Arten repräsentiert, die allesamt sehr nahe verwandt sind und zu einer einzigen Gattung zusammengefasst werden. Ihr Verbreitungsgebiet ist der paläarktische Raum von den Kanaren über die Azoren und Madeira, Nordafrika bis Skandinavien im Norden und Sibirien im Osten.

 

Carduelidae

Die Familie der Carduelidae ist mit rund 130 Arten schon wesentlich umfangreicher und bewohnt mit ihren diversen Gruppen fast die gesamte Erde mit Ausnahme der australischen Region.

 

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